"Facettenauge" erkundet den Mars

23. Jänner 2002, 11:02
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Winzige Flugzeuge mit der Gewandtheit von Libellen und dem Sehvermögen von Bienen

Sydney - Über die Oberfläche des Mars könnten bald winzige Flugzeuge mit der Gewandtheit von Libellen und dem Sehvermögen von Bienen schwirren. Wissenschafter in Australien haben eigenen Angaben zufolge die Sinnesorgane verschiedener Insektenarten imitiert und neuartige Navigations- und Fluggeräte entwickelt. Die neuen Sensoren seien so klein, dass sie auf "Microflyers" mit einem Gewicht von 75 Gramm Platz fänden, sagten die Forscher der Australian National University (ANU) am Dienstag. Die US-Raumfahrtbehörde NASA will die weitere Arbeit der Wissenschafter auf dem Gebiet der Biomimetik mit 310.000 US-Dollar (rund 351.000 Euro) unterstützen.

"Trotz ihrer kleinen Gehirne können Insekten wie Libellen schnelle und präzise Manöver fliegen, die Flugstabilität und Kollisionsvermeidung voraussetzen", sagte Javaan Singh Chahl von der ANU am Dienstag. Die diesem Prinzip nach entwickelte Technologie könnte seinen Angaben zufolge 2007 bei einer Mission eingesetzt werden, bei der die Felsstruktur des Valles Marineris auf dem Mars erkundschaftet werden soll. Das Valles Marineris ist der größte Canyon des Sonnensystems. Es ist 3.000 Kilometer lang und acht Kilometer tief.

Das Modell der Wissenschafter ist den Facettenaugen von Insekten nachempfunden und misst das ultraviolette und grüne Licht der Umgebung. Dadurch kann es die Flughöhe halten oder verändern. Dieses Prinzip könnte es ermöglichen, Fluggeräte in der äußerst dünnen Atmosphäre des Mars stabil und kontrolliert zu navigieren. Die Forscher programmierten außerdem ihre Computer so, dass sie nach dem Prinzip von Bienen Objekten im Flug ausweichen können. Sie messen die relative Geschwindigkeit von Gegenständen, um den eigenen Abstand zu ihnen zu bestimmen.

Knowhow von Bienen

Bienen könnten den Wissenschaftern zufolge auch bei der Lösung der Navigation über weite Strecken auf dem Mars geben, wo es keine magnetischen Felder zwischen Polen zur Orientierung gibt. Bienen nutzen eine Kombination aus Polarisierungsmustern im Himmel, charakteristischen Landschaftsmerkmalen und zurückgelegter Strecke, um von einem Punkt zum anderen zu kommen. Die Wissenschaftler der ANU hoffen, dass sie einen entsprechenden Navigationssensor bis 2003 entwickelt haben werden. Das endgültige Flugmodell soll 2004 fertig gestellt sein.

Die Biomimetik ist eine Unterdisziplin der Bionik und ist vom griechischen Wort für Nachahmung "mimesis" abgeleitet. Sie erforscht biologische Mechanismen von Lebewesen und Pflanzen, um sie anschließend für technische und chemische Anwendungen zu kopieren. (APA)

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