Wenn der Kosmos über die Sterblichen lacht

22. Jänner 2002, 21:56
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Neil LaButes "Bash", drei mörderische Geständnisse im Grazer Schauspielhaus

von Colette M. Schmidt

Graz - Sind sie Brüder und Schwestern des blutrünstigen American Psycho, der sich elegant gelackt über seine Opfer hermacht, oder doch nur die bedauernswerten Sterblichen, über deren Chaos der Kosmos lacht? Die Protagonisten von Bash - Stücke der letzten Tage des amerikanischen Filmemachers und Autors Neil LaBute sind ein bisschen von beidem, und wie der Autor selbst sind sie Mormonen, Heilige der letzten Tage, die nicht anders können als glücklich zu sein.

Denn meist geht es in Bash, das 1999 in New York uraufgeführt wurde, letztlich nicht darum, was man tut, sondern wie man sich dabei fühlt. Auf der Probebühne des Grazer Schauspielhauses untersuchte nun Regisseur Stephan Lohse die drei Monologe, die das österreichische Publikum im vergangenen Jahr in einer Zadek-Inszenierung bei den Wiener Festwochen erleben durfte, mit großer Sensibilität.

Da ist der junge Familienvater, der in einer Hotellobby freundlich Auskunft gibt über sein Leben, den normalen Krieg im Business, "wo kein Tag vergeht, an dem man nicht einem anderen an die Gurgel will". Seine Worte plätschern weiter dahin, wenn der moderne Agamemnon erzählt, wie er sein Kind diesem Krieg opfern musste, um zu siegen: Er sieht tatenlos zu, wie sein Baby unter einer Decke erstickt - schließlich hätte er ja auch wirklich schlafen können und das Fiepen seiner Tochter gar nicht erst hören . . .

Stefan Maaß findet sich gegen Ende immer besser in den Monolog. Es ist der schwierigste des Abends, weil die eigenen Gefühle dem Mörder nicht fassbar scheinen.

Wenn John und Sue aufgeputzt wie das Zuckerguss-Pärchen auf einer Hochzeitstorte loslegen, wähnt man sich in einer amerikanischen Talkshow, in deren Halbzeit plötzlich jemand in einen Psychothriller hinüberzappt. Das Studentenpaar - schauerlich und witzig zugleich: Alexander Weise und Monique Schwitter - kann über das Zerknittern eines Kleidungsstückes aufgeregt berichten wie andere Menschen über die Landung eines UFOs. Dass sie auf einer New Yorker Party "verdammt gut" ausgesehen haben, bewegt die beiden mehr als Johns brutaler Mord an einem Homosexuellen während des Festes.

Die 28-jährige Medea, die mit 14 von ihrem Lehrer geschwängert wird, um später den 14-jährigen Sohn zu ermorden, ist die einzige Figur der Trilogie, die nicht nur gesteht, sondern auch inhaftiert zu sein scheint. Monique Schwitter spricht das beklemmend zeitlose Frauenschicksal äußerst glaubwürdig in ein Aufnahmegerät.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.01. 2002)

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