Sonnenclub auf Wanderschaft

22. Jänner 2002, 20:05
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Nach Meierei könnte 20er-Haus Clubbinglocation werden

Thomas Rottenberg

Wien - Matthias Kamp will sich "nicht in Parteipolitik reinziehen lassen." Natürlich, meint der Kopf der Clubbingorganisationsgruppe "Sunshine", sei es in seinem Inter-esse, wenn Politiker sich dafür stark machen, dass er weiterhin in der Meierei im Stadtpark Feste veranstalten kann. Gleichzeitig weiß Kamp aber genauso gut wie alle Politiker, die sich für ein Weiterverbleiben der beliebten Sunshine-Clubbings dort stark machen, dass der Zug de facto abgefahren ist: Das von seinem früheren Pächter Johannes Hübner nach langem Rechtsstreit mit Jahreswechsel der Stadt Wien zurückgegebene Gebäude im Herzen des Parks ist schwer renovierungsbedürftig.

Kein Wunder, dass die Stadt nach einem finanzstarken Investor sucht, der die Location auf Vordermann bringt: Auf 2,18 Millionen Euro (30 Millionen Schilling) beläuft sich der kolportierte Verkaufspreis, weitere 1,45 Mio. Euro könnte eine Sanierung kosten.

Geld, dass kein Clubbingmacher Wiens hat - außerdem ist es ein offenes Geheimnis, dass die Stadt sich an diesem Ort einen Nobelgastronomen wünscht: Im Gespräch ist - unter anderem - eine Dependance des Steirerecks.

Bis zum April wird Wiens Clubszene allerdings weiter in der Meierei feiern können. "Wir haben zwar keinen Vertrag mit der Gruppe, aber uns liegt eine lebendige Partyszene am Herzen", betont man im Büro des für die Liegenschaft zuständigen Stadtrats Sepp Rieder (SP). Über eine Nachfolgelocation, bestätigt Sunshine-Kopf Kamp, werde auch bereits verhandelt.

Außerdem ist die Sonnenschein-Partyposse auch auf einem zweiten Spielfeld auf Immobiliensuche: Mit Elisabeth Gehrers (VP) Bildungsministerium, bestätigt Kamp auf Anfrage des STANDARDS, stehe man in sehr intensiven Verhandlungen, ab April das 20-er Haus neben dem Südbahnhof als Zwischenstation bespielen zu dürfen. Es gäbe bereits konkrete Pläne für Events im Rahmen der Festwochen und des Jazzfestes. Auch das Sunshine-Elektronikfestival "Sequence" werde voraussichtlich im ehemaligen Museum Moderner Kunst stattfinden, bestätigt Kamp.

Die Location, die derzeit von dem ins Museumsquartier übersiedelten Mumok als Lager genutzt werde, biete alles, was man von einem guten Sommerclub brauche: Große Räume, einen Garten und - das Wichtigste - keine ruhebedürftigen Nachbarn. Kamp: "Geplant ist, dass wir das Gebäude bis zum Spätsommer bespielen. Danach soll renoviert werden."

Im Herbst werde seine Gruppe dann auch - "endlich, das dauert schon Jahre" - mit den Umbauarbeiten in einem ehemaligen U-Bahn-Tunnel bei der Spittelau beginnen: Dort wird die SEG im Spätsommer mit dem Bau eines Hauses der Stararchitektin Zaha Hadid beginnen. Der Tunnelausbau könnte von der SEG mitgenommen werden, hofft Kamp.

Wann dieses Projekt abgeschlossen sein wird, steht für die Sunshine-Leute in den Sternen - für die Zwischenzeit verhandelt man mit der Stadt über eine andere, nicht näher bezeichnete Location. (Der Standard, Printausgabe, 23.01.02)

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    epa/linnemann
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