Den City Cinemas fehlt zu viel Geld

22. Jänner 2002, 20:30
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Stadt lehnt nach wochenlangen Verhandlungen Millionenzuschuss ab - Konkurs droht

Andrea Waldbrunner

Wien - Das Wort "Konkurs" wird in der Wiener Kinoszene offen angesprochen. Und zwar im Zusammenhang mit der Sanierung der City Cinemas. Seitens der Betreiber bestätigt dagegen niemand das Desaster: "Wir arbeiten noch. Informationen gibt es zu einem nahen Zeitpunkt", wehrt Kurt Stocker, Sprecher der Kinokette ab. Michael Stejskal, einer der Cinema-Betreiber, antwortet, vom STANDARD mit der Frage konfrontiert, ob nur einzelne Kinos oder die gesamte Kinokette vom Konkurs bedroht sei: "Es wird wohl alles betroffen sein."

Die City Cinemas haben Ende der 90-er Jahre etliche Kinos der ehemals stadteigenen Kiba-Kette übernommen: Metro-, Flotten-, Gartenbau-, Cine-, Top- und De-France- Kino befinden sich seither in ihrem Besitz. Unter einer gemeinsamen Dachmarke wollte man mehr Besucher in die Kinosäle der Innenstadt locken. Die nützten aber doch lieber Kinoangebote andernorts, denn Ende Oktober wurde der finanzielle Ausgleich beim Wiener Handelsgericht angemeldet. Am 1. Februar wird am Handelsgericht in der Inneren Stadt endgültig entschieden, ob der finanzielle Turnaround zu schaffen ist.

Stadt: keine Zuschüsse

In den letzten Monaten haben intensive Verhandlungen im Kulturressort der Stadt zur Sanierung statt gefunden. Die Betreiber haben ein Konzept vorgelegt, dass "nicht unterstützbar war". Aus "Beihilfen-und EU-rechtlichen Gründen", erklärt SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

Ein weiter gravierender Punkt: Im Konzept wäre ein Zuschuss von 3,6 Millionen Euro (50 Millionen Schilling) verlangt worden. "Das ist diskriminierend gegenüber anderen Kleinkinos", so Mailath-Pokorny. Noch dazu, wo der Finanzbedarf nach oben offen gewesen wäre: Je kulturell anspruchsvoller die Filme, desto mehr Geld hätte fließen sollen. "Wir mussten das Konzept ablehnen." Das dürfte das endgültige Aus für die City Cinemas bedeuten, denn, so Mailath-Pokorny weiter, die Betreiber rund um Stocker und Stejskal haben auch "keine Eigenmittel angeboten".

"Völlig korrekt" habe der Kulturstadtrat da gehandelt, findet Kammervertreter und Kinokonkurrent Herbert Dörfler. Es könne nicht sein, dass einzelne Betriebe gefördert würden. Dörfler macht keinen Hehl daraus, dass er zu seinem Haydn-Kino liebend gern das benachbarte Flottenkino übernehmen würde.

"Kinoperlen"

Bloß zwei "Perlen der Wiener Kinos", so Saskia Schweiger, Sprecherin im Kulturressort der Stadt, sollen erhalten werden - auch mit Geldern der Stadt: das Metro und das Gartenbaukino. Wie das gelingen soll, ist unklar. Vermutlich werde man neue Betreiber suchen, aber auch ein Fortführen unter City-Cinema-Managment sei vorstellbar.

(Der Standard, Printausgabe, 23.01.02)

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