Verband der Auslandspresse in Ungarn "alarmiert" über Angriffe

22. Jänner 2002, 16:25
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In Fernsehsendung wurde zu Kastration ausländischer Journalisten aufgerufen

Der Verband der ausländischen Journalisten in Ungarn (HIPA) hat in einem Brief an den ungarischen Außenminister Janos Martonyi zunehmende Angriffe von regierungsnahen Medien auf die in Ungarn tätigen Auslandskorrespondenten beklagt. "Wir sind alarmiert durch die Hartnäckigkeit von Beiträgen, die unerfreulich, rachsüchtig und unter dem Niveau eines zivilisierten Diskurses sind", hieß es in dem Schreiben, das am Dienstag von der Organisation veröffentlicht wurde und am Vortag dem Außenministerium zugestellt worden war.

Der Brief erwähnt eine anonyme, in der Tageszeitung "Magyar Nemzet" abgedruckte "Untersuchung", in der einzelnen Auslandskorrespondenten namentlich vorgeworfen wurde, wie häufig sie Ungarn und seine Regierung in einem negativen Licht dargestellt hätten. Das Schreiben verweist auch auf eine Fernsehsendung, die von einem "Magyar Nemzet"-Kolumnisten geleitet wird und in der unter Bezugnahme auf diese "Untersuchung" in wenig verhüllter Form zur Kastration der unbotmäßigen Berichterstatter aufgerufen wurde. Jedem stehe das Recht auf Kritik zu, hieß es in dem Brief, "doch bei offener Hassrede ziehen wir die Grenze".

Der Sprecher des ungarischen Außenministeriums, Gabor Horvath, erklärte in einer ersten Stellungnahme, dass sich sein Ministerium für die Beschwerde des Auslandspresse-Verbandes als "nicht zuständig" betrachte. Martonyi werde allerdings "in höflicher Form" auf den Brief antworten. (APA)

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