Diskussion über Freigabe des Gastgewerbes geht in die nächste Runde

22. Jänner 2002, 15:42
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Rossmann und Wirtschaftskammer suchen Kompromiss

Saalfelden - Die Diskussion über die von Tourismus-Staatssekretärin Mares Rossmann (F) geforderte Freigabe des Gastgewerbes, die auf heftige Kritik der Tourismuswirtschaft gestoßen war, geht weiter. Rossmann beharrt weiterhin auf ihrem Standpunkt, dass durch die Liberalisierung des Handels im Zuge der Gewerbeordnungsnovelle und EU-weit unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten zum Gastgewerbe Handlungsbedarf für das Gastgewerbe bestehe, wie sie heute, Dienstag, am Rande der Tagung der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in Saalfelden vor Journalisten betonte. Allerdings sei auch "der eine und andere Kompromiss möglich", ließ die Staatssekretärin durchblicken. Für heute Abend ist eine Diskussion über die Gewerbeordnung zwischen Rossmann und Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) anberaumt.

"40 Prozent der Zugangs-Berechtigungen im Gastgewerbe werden derzeit durch Nachsicht oder dadurch, dass der gewerberechtliche Geschäftsführer vielfach nicht selbst im Betrieb tätig ist, bereits umgangen", so Rossmann heute. Die Qualitätssicherung des österreichischen Tourismus sei wichtig, die Freigabe des Gastgewerbes dazu aber kein Widerspruch.

Handlungsbedarf bei der Lehrlingsausbildung

Handlungsbedarf sieht Rossmann auch bei der Lehrlingsausbildung, die aufgewertet werden soll. "Mit den Lehrlingen arbeitet meist nicht der gewerberechtliche Geschäftsführer, sondern der Koch oder der Kellner, die pädagogisch geschult werden sollten", forderte Rossmann. In die gleiche Kerbe schlägt auch ÖHV-Präsident Helmut Peter: "Die Gewerbeordnung gehört durchforstet".

"Der Tourismus ist eine internationale Branche, die dem internationalen Wettbewerb standhalten muss. Eine vernünftige Liberalisierung und Entbürokratisierung wird von uns voll unterstützt", betonte der Obmann der Bundessparte (vormals Sektion) Tourismus der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Johann Schenner. Eine gänzliche Freigabe des Gastgewerbes würde jedoch das Qualitätsniveau nach unten nivellieren und wäre nicht im Interesse der Jugend. Eine "Beibehaltung des qualifizierten Zugangs zum Gastgewerbe" sei weiterhin notwendig.

Die Zugangsmöglichkeiten zum Gastgewerbe seien bereits 1994 im Zuge des EU-Beitritts von Österreich liberalisiert worden, erläuterte Schenner. Jeder Volljährige dürfe derzeit nach Ablegung einer Prüfung sowie nach Abschluss einer Lehre oder Tourismusschule den Gastgewerbeberuf ausüben. Der Befähigungsnachweis sei nur für Quereinsteiger notwendig.(APA)

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