Die "Donnerstagsdemo gegen die Regierung" feiert 100. Geburtstag

24. Jänner 2002, 14:42
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Die Widerstandsbewegung gegen die schwarz-blaue Regierung etablierte sich zum "demokratiepolitischen Lehrgang"

Wien - Die so genannte "Donnerstagsdemo", die seit Angelobung der schwarz-blauen Regierung wöchentlich in der Wiener Innenstadt abgehalten wird, feiert diese Woche ihren 100. Geburtstag. Anlässlich des "Happy Thursday!" bekräftigten mehrere Vertreter die Notwendigkeit des demokratischen Widerstandes gegen die Regierung. Durch den erfolgten "Sozialabbau, Demokratieabbau und verschärften Rassismus" sehe man sich in der Notwendigkeit der "gewaltfreien Stadtspaziergänge" bestätigt.

Besonders stolz sind die Proponenten der Donnerstagsdemo auf die Kontinuität der Demonstrationen, die bereits im Ausland Nachahmer gefunden habe. Für die "Geburtstagsdemo" dieser Woche hofft man auf ein neuerliches Aufflackern des kontinuierlichen Lichtleins.

Kontinuität

Eine der "fleißigsten Demonstrantinnen" der Donnerstagsdemo, die ehemalige Ministerin Johanna Dohnal, zeigte sich stolz und zugleich überrascht von der Kontinuität der Demonstrationen, an die sie "selber nicht geglaubt habe". Bezugnehmend auf das Ergebnis des Anti-Temelin-Volksbegehrens meinte sie, im Vergleich zum Aufwand sei das Ergebnis "mickrig". Die Donnerstagsdemo hingegen besteche durch Kontinuität und das obwohl keiner hierzu aufrufe. "Es gab diverse Bemühungen diese Lästigkeit wegzubringen", sagte Dohnal und zeigte sich überzeugt, dass sich die Donnerstagsdemo halten werden, solange bis diese Regierung abtrete.

Der Schriftsteller Doron Rabinovici von der Demokratischen Offensive: "Wir erleben eine Hetze gegen Tschechien, wir erleben ein Spiel mit dem Antisemitismus und der Bundeskanzler schweigt." Die Befürchtungen seien bei weitem übertroffen worden. "Wer erinnert sich noch an die Präambel, die andauernd gebrochen wird?". Rabinovici kündigte für die 100. Donnerstagdemo einen Programmschwerpunkt an, der sich diesem "andauernden Bruch" der Präambel widmen werde.

Ballhausplatz 1a

Dass die Demonstrationsbewegung mittlerweile, neben einer virtuellen Adresse im Internet auch eine absolut reale Adresse habe, nämlich Ballhausplatz 1A, erklärte eine "Bewohnerin" dieser Anlaufstelle. Die "Botschafterin der Botschaft der Besorgten BürgerInnen", Svanlind Keller, berichtete von den vielen Gesprächen die vor Ort geführt werden. Sie erlebe gute Gespräche und Zustimmung aber sie berichtete auch von Beschimpfungen und von einer scheinbaren "Infizierung" der Menschen durch diese Regierung.

Irene Zavarsky vom Vorsitzteam der ÖH-Bundesvertretung, meinte, am Anfang sei sie gegen das Programm der schwarz-blauen Regierung zur Demonstration gegangen, heute gehe sie auch "gegen die Taten", wie etwa gegen die Einführung der Studiengebühren, dem sozialen Numerus clausus. Die Historikerin Meike Lauggas betonte: "Die Demo hat keinen Sprecher, sie existiert, weil jede Woche einer hingeht und noch einer und noch einer.... und keiner könne sagen, wann das ganz kleine Flämmchen das noch immer brenne wieder auflodere."

Von den bis zu 10.000 Demonstranten am Beginn der Bewegung bis zu den rund 100 Teilnehmern an den kältesten Tagen - nicht die Zahl sei entscheidend, sondern Kontinuität und Zivilcourage. Unter dem Motto "Wir gehen, bis sie gehen!" werde man weitermachen, davon zeigte man sich überzeugt. Bis zur nächsten Wahl werde man durchhalten und wieder größer werden. Vorerst werde aber am Donnerstag Geburtstag gefeiert - und die nächste Großdemo ist fixiert: am Jubiläumstag, dem 2. Februar 2002. (APA)

RADIOTIP:

Orange 94.0
"Die moralische Distanz"
Samstag, 26. Jänner, 15-17 Uhr

"Die moralische Distanz" diskutiert ab 15 Uhr live anlässlich der 100. Donnerstagsdemo mit Studiogästen zum Thema "Wir gehen bis sie gehen" über die vergangenen zwei Jahre und über Ausblicke für den Rest der Legislaturperiode.

Ab 16 Uhr folgt die Wiederholung einer Sendung aus dem Frühjahr 2000 zum Thema "Demokultur". DemonstrantInnen sprechen über ihre Motive, Originalaufnahmen von den Demonstrationen geben ein Bild von der Stimmung unmittelbar nach dem Regierungswechsel.

LINK
www.orange.or.at
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