Wirtschaftsforscher sehen 2002 weniger Inflation

22. Jänner 2002, 13:33
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Prognose: Europreisschub - Energie- und Nahrungsmittelpreise werden wieder nach unten drehen

Wien - Die österreichischen Wirtschaftsforschungsinstutite IHS und Wifo rechnen im laufenden Jahr mit einem deutlichen Rückgang der Verbraucherpreissteigerungen. In den aktuellen Prognosen geht das Wifo von einer Inflationsrate für 2002 von 1,4 Prozent und das IHS von 1,8 Prozent aus, und daran wird vorerst nicht gerüttelt. Die höhere Einschätzung des Instituts für Höhere Studien ergibt daraus, dass das Institut zusätzlich mit einem Viertel Prozentpunkt Inflation rechnet, die sich aus der Euro-Umstellung und den damit verbundenen Preisanpassungen an psychologische Schwellenpreise ergibt. Zusätzlich erwartet das IHS einen zweiten Preisschub nach dem Auslaufen der Phase der doppelten Währungsauszeichnung ab Anfang März.

Wifo-Finanzexperte Wolfgang Pollan erwartet für 2002 eine "viel niedrigere" Inflationsrate als im Jahr 2001, in dem sie von 2,3 auf 2,7 Prozent hochgeschnellt war: "Die Effekte, die für die hohen Inflationsraten in den beiden letzten Jahren verantwortlich waren, werden jetzt ins Gegenteil drehen", sagte Pollan heute, Dienstag, im Gespräch mit der APA. Der Wifo-Experte geht davon aus, dass die Rückgänge beim Rohölpreis und auch bei anderen Energiearten, die sich schon im letzten Monat des Vorjahres abzeichneten, weiter gehen werden.

Nahrungsmittelpreise sollten sinken

Als zweiten entscheidenden Punkt für eine geringere Preissteigerung im laufenden Jahr nennt Pollan die Nahrungsmittelpreise, die im Vorjahr durch BSE und die Maul- und Klauenseuche (MKS) überdurchschnittlich erhöht waren. Auch hier sollte der Höhepunkt überschritten und die Preisentwicklung ins Gegenteil drehen. Desgleichen bei Saisonwaren, wie zum Beispiel bei Gemüse, dessen Preise im Dezember deutlich nach oben drifteten. Hier erwartet Pollan für heuer einen "normalen" Preisverlauf und nach zwei trockenen Sommern auch wieder einen normalen Sommer.

Bei den Tarifen und Gebühren sollte zumindest von Seiten der Bundesregierung heuer "wenig kommen", meint Pollan. Anders könnte es hier bei den Gemeinden aussehen, Wien etwa habe bereits höhere Parkgebühren und Verkehrsabgaben angekündigt. Auch die Weitergabeeffekte, die sich durch den Rohölpreis und durch die Euro-Umstellung bedingte Preiserhöhungen ergeben, werden sich laut Pollan abflachen. Desgleich erwartet sich der Wifo-Experte für heuer eine schwache Lohnentwicklung.

Psychologische Preisgestaltungen

Im Gegensatz zum Wifo erwartet IHS-Finanzexperte Christian Helmenstein für 2002 einen zusätzlichen Preisschub aus der Euroumstellung von bis zu einem Viertel Prozentpunkt. 37 Prozent des Warenkorbes könnten von psychologischen Preisgestaltungen betroffen sein. Bei einer Preissteigerung um 1 Prozent wirke sich das somit mit einem Drittel Prozentpunkt auf die gesamte Steigerungsrate aus.

Aufgrund der unterschiedlichen Umrechnungskurse sei die Tendenz bei der Festlegung von neuen psychologischen Preisen in den einzelnen Euroländern aber heterogen. Für Österreich sieht Helmenstein sogar die Chance, mit 0,0 bis 0,25 Prozentpunkten davonzukommen, während etwa in Frankreich und Deutschland sich die Zeichen dafür mehrerten, dass bei der Jännerinflationsrate auf Jahresbasis eine Drei vor dem Komma stehen könnte, so Helmenstein.(APA)

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