Wiedervereinigung: "Schatz der Merowinger"

22. Jänner 2002, 12:05
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Schau über die Kunst der Völkerwanderungszeit in St. Petersburg

Moskau - Deutschland und Russland wollen den im Zweiten Weltkrieg zerrissenen "Schatz der Merowinger" erstmals wieder zu einer großen Ausstellung in St. Petersburg vereinen. Die Schau über die Kunst der Völkerwanderungszeit werde "Beutekunst" aus der Petersburger Eremitage und dem Puschkin-Museum in Moskau mit deutschen Beständen zusammenführen. Das sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, am Dienstag beim Besuch von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin in Moskau. Die Ausstellung sei für Ende 2003 oder Anfang 2004 geplant.

"Kulturhistorisch erschließen wir damit einen europäischen Raum, der von Russland bis nach Nordfrankreich reichte", sagte Lehmann. Gleichzeitig sei das erstmalige Zusammenführen von deutschen Museumsstücken und "Beutekunst" ein wichtiges politisches Signal. Beim Abtransport deutscher Kulturgüter in die Sowjetunion gelangte 1945 ein Großteil der Merowinger-Kunstwerke aus dem 5. bis 8. Jahrhundert aus dem Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte indie Eremitage. Später wurden drei Kisten mit den wertvollsten Funden in das Puschkin-Museum in Moskau gebracht. Der fränkische Stamm der Merowinger herrschte in West- und Teilen von Mitteleuropa von 425 bis 751.

Die Ausstellung ist Teil des groß angelegten Kulturaustausches, den Nida-Rümelin und der russische Kulturminister Michail Schwydkoj am Montag vereinbart hatten. Sie bereiteten in komplizierten Verhandlungen auch die Dokumente für den anstehenden Entscheid des russischen Parlaments über die Rückgabe der mittelalterlichen Fenster aus der Marienkirche in Frankfurt an der Oder vor. Beide Seiten zeigten sich aber zuversichtlich, dass die Kunstwerke noch vor dem Sommer in ihre Heimat zurückkehren können. Im April will die Eremitage in St. Petersburg noch einzelne Fenster nach einer vorläufigen Renovierung ausstellen. (APA)

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