Infineon sieht sich besser gerüstet als die Konkurrenz

22. Jänner 2002, 11:02
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Speicherchip-Preise müssten noch um 1 bis 2 Dollar steigen, um heuer Gewinnschwelle zu erreichen

Die Münchener Infineon Technologies AG ist nach den Worten von Vorstandschef Ulrich Schumacher für einen Aufschwung in der Chipindustrie in einer besseren Ausgangsposition als die Konkurrenz. "Wir haben unsere Wettbewerbsposition in nahezu allen Bereichen verbessert und sind damit gut gerüstet, um vom nächsten Aufschwung überproportional zu profitieren", sagte Schumacher am Dienstag auf der Hauptversammlung in München.

"Speicherpreise müssen weiter steigen"

Um die Gewinnschwelle im laufenden Geschäftsjahr zu erreichen, müssten aber die Speicherchip-Preise noch um ein bis zwei Dollar (bis zu 2,3 Euro/31,2 S) steigen, erläuterte er in einem Reuters-Interview. Bei der Vorlage der Quartalszahlen am Montag hatte Schumacher aber bereits einen Verlust für das Gesamtjahr (zum 30. September) abgekündigt. Die Infineon-Aktien stieg am Dienstag an.

Schwerste Krise

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Infineon, der weltweit viertgrößte Hersteller von Speicherchips, unter der schwersten Krise in der Geschichte der Halbleiterindustrie gelitten und einen Fehlbetrag von 591 Mill. Euro (8,1 Mrd. S) ausgewiesen. Die Preise für DRAM-Speicherchips, mit denen Infineon fast ein Drittel seines Umsatzes erwirtschaftet, haben sich in den vergangenen Wochen zwar etwas erholt, liegen aber immer noch unter den Herstellungskosten.

"Talsohle erreicht"

"Es spricht einiges dafür, dass wir im abgelaufenen Quartal die Talsohle des schlimmsten Markteinbruchs in der Halbleiterbranche erreicht haben", sagte Schumacher vor seinen Aktionären laut Redetext. Sowohl die verkauften Volumina als auch die Preise würden steigen. Ob die Markterholung nachhaltig sei, könne er aber nicht sagen, wiederholte Schumacher frühere Äußerungen.

Massive Sparmaßnahmen

Infineon hat mit massiven Sparmaßnahmen und dem Abbau von 5.000 Arbeitsplätzen auf die Krise reagiert. Einen weiteren Stellenabbau schloss Schumacher nicht aus, wenn sich die Marktsituation verschlechtern sollte. "Derzeit sehen wir aber keinen Bedarf für eine weitere Reduzierung der Mitarbeiterzahl", sagte er in einem Fernseh-Interview vor Beginn der Hauptversammlung.

Am Montag hatte Infineon bereits die Zahlen für das abgelaufene Quartal veröffentlicht, in dem sich der Verlust auf 331 Mill. Euro von 523 Mill. Euro im Vorquartal verbessert hatte. Schumacher hatte für das laufende Quartal eine weitere Verringerung des Fehlbetrags angekündigt.

Flexibilität durch neues Kapital

Auf der Hauptversammlung sollen die Aktionäre unter anderem die Schaffung eines genehmigten Kapitals für Bar- und Sachkapitalerhöhungen genehmigen. Damit verschaffe sich Infineon die Flexibilität, auf eine Markterholung zu reagieren oder Zukäufe zu tätigen, hieß es. Infineon sondiere Akquisitionen vor allem im Telekommunikationsbereich, erläuterte Schumacher erneut den künftigen strategischen Fokus.

In einem allgemein schwachen Marktumfeld stieg die Infineon-Aktie am Dienstagvormittag um 1,6 Prozent auf 23,21 Euro. Am Vortag waren die Titel nach der Veröffentlichung der Zahlen in der Spitze um bis zu vier Prozent gefallen.(APA/Reuters)

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