Australischer Baumfrosch als Antibiotika-Lieferant

22. Jänner 2002, 10:59
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Wissenschaftler untersuchen bioaktive Komponenten in Absonderungen von Amphibien

Derry - Der nordirische Wissenschaftler Chris Shaw, Biomediziner an der Universität von Ulster hat im Hautsekret eines australischen Baumfrosches ein Antibiotikum mit einer neuen Wirkweise gefunden. Jetzt untersucht der Forscher Extrakte von chinesischen Heilpflanzen und Amphibiengifte, um Diabetes mellitus in den Griff zu bekommen.

Das Wissenschaftsteam hat auf der Suche nach neuen bioaktiven Substanzen zunächst das Hautsekret von verschiedenen Fröschen untersucht. Die Moleküle des Sekrets wiesen antimikrobielle, antikanzerogene, vasoaktive, insektizide oder wurmtötende Substanzen auf. Das Froschsekret wirkt extrem auf Keime jeglicher Art: es lässt die Hülle von Krankheitserregern förmlich platzen. Dadurch könnten sich Bakterien fast unmöglich vor der Wirkung des Giftes schützen. "Das Gleiche gilt im Prinzip auch für das Gift der Gabun-Viper, einer der giftigsten Schlangen Afrikas und verschiedener Skorpione", so der Forscher. "Wir wollen alle diese Substanzen ganz genau untersuchen, um die Wirkweise der Gifte zu studieren."

Die Giftcocktails der Tiere bestehen aus über 1.000 verschiedenen Einzelsubstanzen. Besonders interessant sind dabei die Eiweiß-Moleküle, so genannte Peptide. Daher müssen die Wissenschaftler mit den modernsten Methoden der Biochemie wie massenspektronomischen Techniken (LCQ-Ionen-Fallen, Maldi-Tof, Q-Tof) arbeitet. "Die modernen Methoden sind extrem datenintensiv, daher gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Bio-Informatik, das die bioanalytische Software liefert", erklärt der Wissenschaftler.

Studien mit den Pflanzen Aegle marmelos, Toddalia asiatica und Houttuyniae cordata, die seit Jahrhunderten in der Traditionellen Chinesischen Medizin Verwendung finden, laufen gerade. Dabei wollen die Forscher die aktiven Substanzen der Heilkräuter untersuchen. Auch die Erforschung der Peptide in Giften anderer afrikanischer Schlangen und des Hautsekrets des Großen Mexikanischen Blatt-Frosches Pachymedusa dacnicolor stehen am Programm der biomedizinischen Abteilung. (pte)

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