"Von Mozart kann die Software nichts lernen"

22. Jänner 2002, 10:36
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Komponieren im neuronalen Netz: "tonica" ergänzt Melodien mit vierstimmigen Tonsätzen - Wahlweise Barock oder Romantik

Eine Melodie zu komponieren, ist gar nicht so schwer. Wenn aus der dünnen Tonfolge ein klangvoller, mehrstimmiger Satz werden soll, reichen ein paar grundlegende Notenkenntnisse aber nicht mehr aus. Hier hilft eine intelligente Musiksoftware, die mit einem einzigen Mausklick vierstimmige Sätze auf die Bildschirm-Partitur zaubert und gleich zu Gehör bringt: Die "tonica" der nordhessischen Firma whc Musiksoftware ist jetzt in der Version 6.0 neu aufgelegt worden.

Am Anfang ist die Melodie

Diese Sopranstimme kann entweder mit einem angeschlossenen Keyboard in den Computer eingespielt oder mit Maus und Tastatur in die Notenlinien eingetragen werden. Takt und Tonart können beliebig variiert werden - vielleicht ist die Melodie in a-Moll ja doch noch etwas ausdrucksvoller als im zunächst vorgegebenen C-Dur. Wichtig sind die Fermaten - diese länger ausgehaltenen Ruhepunkte am Ende einer musikalischen Phrase sind die zentralen Anhaltspunkte für das jetzt folgende digitale Komponieren.

Barock oder Romantik

Dazu wird in den Optionen zunächst die Stilrichtung ausgewählt: Zur Verfügung stehen zwei barockmusikalische Varianten in Anlehnung an Johann Sebastian Bach - die eine etwas kühner, die andere etwas konservativer - und ein romantischer Stil nach dem Vorbild von Max Reger.

Befehl: "Komponieren"

Mit dem Befehl "Komponieren, Tonsatz" werden dann automatisch drei Begleitstimmen zur Melodie eingefügt - Alt, Tenor und Bass. Das Ergebnis ist verblüffend, aus der schlichten Melodie ist eine harmonisch stimmige Komposition geworden.

Die Technik der neuronalen Netze

Erreicht wird dies durch die Technik der neuronalen Netze: Im Unterschied zu fest verdrahteten Befehlsketten, die in der vorgesehenen Weise vom Prozessor abgearbeitet werden, werden hier die Denkweisen des Gehirns simuliert. Der Software wurden alle verfügbaren Bach- und Reger-Choräle eingegeben. "Aus diesem Erfahrungsschatz wird dann zu der vorgegebenen Melodie ein vollständiger Satz erstellt", erklärt Hans-Ulrich Werner von der whc-Geschäftsleitung. "Bei gleicher Aufgabenstellung kommt das Programm zu verschiedenen Ergebnissen." Der Musikliebhaber kann den Kompositionsbefehl somit mehrmals starten und sich dann für das schönste Ergebnis entscheiden.

Schließlich werden die vier Stimmen noch mit unterschiedlichen Instrumenten belegt - möglich macht dies die Technik des MIDI-Formats. Die eigene Komposition kann so wahlweise als Streichquartett oder mit einem elektronischen Bläser-Ensemble zu Gehör gebracht werden.

"Von Mozart kann die Software nichts lernen"

Die Entwickler der "tonica" wurden schon häufiger gefragt, ob nicht auch Kompositionen im Stil von anderen Komponisten oder nach der Art moderner Popmusik möglich sind. Von diesen Quellen gibt es aber nicht genügend vierstimmige Sätze, mit denen die neuronalen Netze gefüttert werden könnten. "Von Mozart kann die Software nichts lernen", erklärt Werner.

Die neue "tonica" verfügt zusätzlich über eine Datenbank von 120 fertigen Kadenzen aus dem Werk von Bach und Reger. Das Programm überprüft den Verlauf der Melodie und schaut in diesem Kadenzbaukasten nach, ob es eine passende Schlusswendung dafür findet.

Lernen steht im Vordergrund

Neben den kreativen Möglichkeiten des Programm steht bei der "tonica" das Lernen im Vordergrund. Der Umgang mit Tonarten, Akkorden und harmonischen Funktionen wird hier viel schneller erlernt als in einem trockenen Handbuch.(Von Peter Zschunke/APA)

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whc Musiksoftware

Das Programm läuft auf einem PC (ab 486er Prozessor) mit Windows von 95 bis XP und mindestens 16 MB Arbeitsspeicher. Die "tonica 6.0" ist im Fachhandel oder direkt bei whc Musiksoftware zum Preis von 78 Euro/1.073 S erhältlich.

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