Thomas Angeli, der Wissensathlet

21. Jänner 2002, 20:42
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"Wissen kann man einem nicht wegnehmen", lautet das Motto von Thomas Angeli. So gesehen ist der frisch gebackene außerordentliche Professor der Technischen Universität (TU) Wien ein steinreicher Mann. Angeli hat bereits Maschinenbau und Sportwissenschaften mit Auszeichnung abgeschlossen. Neben seinem TU-Job schreibt er eine Dissertation in Sportwissenschaften und schließt bald den zweiten Abschnitt in Medizin.

Auf die Frage, wie er das alles schafft, lächelt er etwas schüchtern aus seinem gelben Fleecepullover hervor und sagt: "Mich interessiert einfach so viel." Dann nimmt er einen Schluck Tee und fügt an: "Ich habe immer schon versucht zu verknüpfen. Wenn ich einmal etwas verstanden habe, merke ich mir das für immer. Und wenn es nicht mehr geht, nehme ich mir eine Pause."

Dass er einmal Uniprofessor werden wollte, wusste der heute 37-Jährige schon in der HTL: "Ich war immer eine Nervensäge, habe oft nachgefragt. Und wenn der Lehrer etwas nicht erklären konnte, habe ich es getan."

Zuerst wollte er eigentlich nur Maschinenbau studieren. Dann mußte er jedoch den Zehnkampf, für den er nebenher immer intensiv trainiert hatte, aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Weil er den Sport vermisste, begann er, ihn zu studieren. Nach dem Maschinenbaustudium folgte der Zivildienst als Sanitäter. 1997 im Griechenlandurlaub dann ein Schlüsselerlebnis: "Ein Mädchen hatte sich schwer verletzt, und ich hätte ihr gerne besser geholfen. Aber ihre Rissquetschwunden nähen konnte ich nicht. Außerdem habe ich damals gerade den ,Medicus' gelesen und dachte, wenn der das kann, kann ich das auch", ergänzt er schmunzelnd.

Kaum zurück vom Urlaub, startete Angeli sein drittes Studium. Für seine Forschungen ist das umfassende Wissen aus Maschinenbau, Sport und Medizin ideal: Thomas Angeli entwickelte ein Fahrrad für Querschnittgelähmte, das Sportgerät und Therapiehilfe in einem ist (DER STANDARD berichtete), und arbeitet derzeit an einem Skibob für Spastiker. Das nächste Projekt - Rudern für Querschnittgelähmte - ist bereits in Planung. Dabei stehen immer die Betroffenen im Mittelpunkt: "Mein Ziel ist, dass Querschnittgelähmte eines Tages nicht mehr gelähmt sind."

Sport ist auch für ihn eine Art Therapie - gegen den Arbeitsstress. Jeden Tag fährt er mit dem Mountainbike eine halbe Stunde von daheim an die Uni und wieder retour, sogar wenn es schneit. Am Wochenende stehen Windsurfen, Snowboarden oder Skitouren auf dem Programm. "Ich kann mich für Sachen begeistern", sagt Angeli und meint seine Arbeit. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 1. 2002)

Von STANDARD-Mitarbeiterin Sonja Bettel
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