"Würde in IT nicht mehr investieren"

21. Jänner 2002, 20:44
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Computerindustrie geht laut Oracle-Chef Larry Ellison in die Phase der Konsolidierung

"Wir haben geglaubt, unsere Branche bleibt ewig jung. Irrtum!", sagt Larry Ellison, Gründer und Hauptaktionär des Datenbankspezialisten Oracle im Gespräch mit dem STANDARD.

Gewaltiger Konsolidierungsprozess

Wie andere Produktionszweige auch - Bahn, Öl, Auto - treten nach seiner Einschätzung die Symptome auf, die in reifen Wirtschaftszweigen zu beobachten sind: Marktsättigung und Verdrängungswettbewerb. "Es wird jetzt ein gewaltiger Konsolidierungsprozess in der Informationstechnologie einsetzen und nur eine Handvoll Anbieter werden übrig bleiben."

Ellison würde deshalb auch nicht mehr in junge Start-ups investieren, ja, er rät möglichen Jungunternehmern ab, eine Informationstechnologiefirma zu gründen: "Dazu ist es zu spät. Die großen, bestimmenden Anbieter stehen fest."

"the next big thing"

Lawrence Joseph Ellison, den das amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes im Vorjahr zum viertreichsten US-Bürger kürte, sieht "the next big thing" in der Biotechnologie. Oracle statte viele Biotech-Firmengründungen mit IT aus; als Privatmann habe er in einige amerikanische und israelische Gentechnik- unternehmen investiert.

Doch würde die Phase der Konsolidierung in den Unternehmen der Hard- und Softwarebranche anders ablaufen als in der Autoindustrie. Nach dem Beispiel seines Unternehmens glaubt er an den Erfolg von "organischem Wachstum". Dieses sei erfolgreicher als ein Wachstum aufgrund von Firmenzukäufen, mit denen ein Unternehmen Know-how oder Marktanteile verbreitern wolle. Denn wissensbasierte Informationstechnologien mit ihren Produkten ließen sich eben nicht so einfach zusammenstoppeln wie etwa in der Autoindustrie, meint er mit einem Seitenhieb auf den direkten Konkurrenten im Datenbanksektor, IBM. Dieser hatte erst im letzten Jahr Informix erworben. "Wir glauben, dass man die Technologie selbst machen muss."

"Gut bezahler Nörgler"

Im Spätsommer des vorigen Jahres - nach den Anschlägen vom 11. September und dem darauf folgenden Niedergang der Börsenkurse - wurde Ellison auf 26 Milliarden Dollar (29,4 Mrd. EURO) taxiert. Trotzdem hat er die Zügel in dem 43.000-Mitarbeiter-Unternehmen fest in der Hand. Wobei er seine Rolle als "gut bezahler Nörgler" umschreibt: "Mein Part in der Firma ist eigentlich nur mehr, dass ich sage, was mir alles nicht passt."

IT-Großmaul

Ellison, der ob seiner Sprüche in der amerikanischen Presse gerne als IT-Großmaul bezeichnet wird, glaubt, dass die Firmen "zu viel für Informationstechnologie bezahlen". Mit der richtigen - seinen - Lösungen gehe es billiger. Als Beispiel führt er sein Unternehmen an. Der Abbau von 800 Mitarbeitern im letzten Jahr sei zu einem Gutteil auf Produktivitätssteigerungen mit der jüngsten OracleDatenbankversion zurückzuführen. (ruz - DER STANDARD Printausgabe)

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