Oje - Linksruck der "Presse"

22. Jänner 2002, 18:28
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22. Jänner 2002

"Es geht ein Gespenst um in Europa". So beginnt das "Kommunistische Manifest von Marx/Engels. So behauptete es vorige Woche Gespensterexperte Jörg Haider, der in der "Presse" gelegentlich als Gastkommentator ein Quergeschrieben absondern darf. Tatsächlich beginnt besagtes Manifest so: "Ein Gespenst geht um in Europa", aber mit Genauigkeit in der Sache hat es der blaue Exorzist nicht so sehr, sein Arbeitsprinzip bei der Verfluchung seiner politischen und juristischen Gegner ist eher die bewusst eingesetzte Ungenauigkeit, milde ausgedrückt.

Diesmal rechnete er aus tschechischem und slowenischem Anlass mit dem Kommunismus ab, was in Sätzen seinen Höhepunkt fand wie: Der leidvolle Gang der Geschichte hat den Kommunismus über sich selbst aufgeklärt. Schön, wenn es so wäre, vom Nationalsozialismus kann man das nicht in gleicher Allgemeinheit behaupten, wie Fans ordentlicher Beschäftigungspolitik beweisen.

Die Bemühungen der "Presse", ihre gehobene Leserschicht gelegentlich mit dem Flair ländlicher Bierzelte vertraut zu machen, werden indes nicht angemessen gewürdigt. In der letzten Nummer von Andreas Mölzers mit Wenderegierungshilfe frisch renovierter Wochenpostille "Zur Zeit" wird dem Bürgerblatt - Zeit war 's - die Maske heruntergerissen. Unter dem Titel Linksruck der "Presse" heißt es da: Greift der katholische Pressverein durch? Statt "weite Horizont" (sic!) nur mehr political correctness.

Der Autor ist ein gewisser Friedrich Wilhelm Moewe, seine geistigen Ergüsse gereichen dem Vater zwar nicht gerade zur Ehre, aber vielleicht zur Freude. Bis zu "ZZ"-Chef Andreas Mölzer sammelten sich da von links nach rechts die Edelfedern, lobte er das Bemühen von Chefredakteur Unterberger, als die Linkswende noch ein Gespenst war. Aber dann - nur noch Verfall. Nun finden sich unter den Querschreibern zwar alle Namen und Richtungen, die so im Mainstream als prominent gelten, konservative oder gar nationalliberale Non-Konformisten jedoch nicht.

Dass ein Jörg Haider im Mainstream als prominent gelten kann, dürfte stimmen. Als Edelfeder ist er noch nicht aufgefallen, als Non-Konformist vielleicht, wo er doch nun den Linksruck der "Presse" publizistisch begleitet. Besagter Ruck besteht zunächst nur aus einer Vermutung. Ob nun Unterberger nunmehr von Eigentümerseite ein politisch korrekter Aufpasser an die Seite gestellt wurde, als man den kurzfristigen Chef vom Dienst des "Standard", Michael Fleischhacker, zum stellvertretenden Chefredakteur gemacht habe, kann man nur vermuten, zieht Moewe seine leicht skurrilen Sprach- und Gedankenkreise. Als er in den "Standard" wechselte, hörte man allgemein die Meinung: er sei dort, wo er ideologisch hinpasse. Daß er nunmehr zurück zur "Presse" kam - wo er vorher noch gar nicht war - zeigt offenbar, daß diese in den journalistischen Mainstream zurückgeführt werden soll.

Wenn man dieser Analyse etwas bestätigen kann, dann Originalität. Ein Glück, dass in der Person eines Herrn Carl Gustaf Ströhm ein kompetenterer "Presse"-Entlarver den Moewenflug begleitete. Der entdeckte sonderbare Hintermänner in der "Presse" und decouvrierte einen solchen in der Person von Albert Rohan, dem pensionierten Generalsekretär des Außenamtes, der auch - aber nur zum Schein - in dem Blatt querschreibt. In Wirklichkeit ist er ein Querschreiber des Herrn Soros, mit dem er in dessen "Policy Group" für Südosteuropa ist.

Da bahnt sich Teuflisches an. Der "Finanzmagnat" Soros, der anderweitig eher als internationaler Börsenspekulant großen Stils bezeichnet wird, spielt in Südosteuropa eine schillernde Rolle als Finanzier und Förderer vornehmlich linker Gruppierungen und Presseorgane . . . Unpopulär ist er bei den konservativen, traditionell nationalen, christlichen Führungsschichten des Südostens, also auch bei Ströhm: Soros gilt hier nicht nur als Antreiber im Kampf gegen den sogenannten "Nationalismus", an dessen Stelle er eine möglichst durchmischte und diffuse Multikulti-Gesellschaft - eben die "offene" - setzen will.

Und bei einer solchen Multikulti-Intrige macht ein österreichischer Spitzendiplomat mit!? Missbraucht auch noch "Die Presse" für seine finsteren Pläne? Oder - noch scheußlicher: Diese fördert in ihrem von der Styria verordneten Linksradikalismus die Verschwörung internationaler Börsenspekulanten? Da muss, anders ist es nicht mehr zu erklären, Michael Fleischhacker dahinter stecken, wenn nicht gleich direkt das rosarote Blatt, wo er ideologisch hinpasst.

Was Soros betrifft, schenkt uns Ströhm nur allzu reinen Wein ein. Die ihm nahestehenden Gruppen und Medien gelten als Fermente der Dekomposition in einer ohnedies unruhigen und zur Instabilität neigenden Region. Der Ausdruck Ferment der Dekomposition hat alte antisemitische Tradition und in "Zur Zeit" soll er wohl Signalwirkung haben. Er wurde gern von Leuten auf "das Judentum" angewandt, denen das Beiwort "zersetzend" zu gewöhnlich war.

Und was die zur Instabilität neigende Region betrifft: Wäre Michael Fleischhacker doch nur beim STANDARD geblieben - der Balkan müsste nicht fürchten, zu einer diffusen Multikulti-Gesellschaft herabzusinken.

Von Günter Traxler
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