Kein teurer Spaß - Von Lydia Ninz

21. Jänner 2002, 19:42
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Möglicherweise finden es einige amüsant, wenn sich der Arbeitsminister mit der Industrie darum streitet, ob die heimische Bauwirtschaft Überkapazitäten hat oder nicht. Die wesentliche Frage ist, dass es in dieser Branche zuviele "Hackler" gibt.

Allein im vergangenen Jahr gingen zehntausend Jobs verloren. Weitere sieben- bis zehntausend werden es heuer sein. Seit Herbst ist der Markt drastisch eingebrochen, der Einbruch erfasste ausnahmslos alle Sparten: Wohnungen, Häuser, Straßen, Brücken oder Tunnels. Gemeinden, Länder und Bund konnten oder wollten nicht investieren, denn das Nulldefizit ging vor.

Konjunkturpaket wirkungslos

Das angekündigte Konjunkturpaket der Regierung kann gegen die grassierende Arbeitslosigkeit am Bau nicht viel ausrichten. Weder kurz- noch langfristig. Bis zur Umsetzung der Projekte vergehen Monate oder Jahre. Und es ist illusorisch, den überdurchschnittlich hohen Anteil von 8,7 Prozent Baubeschäftigten zu halten, wenn in der Europäischen Union der Durchschnitt bei sechs Prozent liegt.

In dieser Situation ist es eine gute Idee, überzählige Bauarbeiter mithilfe einer Arbeitsstiftung umzuschulen. Dieses Instrument wurde in Österreich erfunden und hat sich in einigen Krisenbranchen bewährt (Textil, Nahrungsmittel). In Stiftungen können sich Menschen beruflich neu orientieren, ohne um ihre nackte Existenz ringen zu müssen.

Das kostet natürlich Geld. Die Effizienz der Stiftungen hängt wesentlich davon ab, wie schnell und genau die neuen Ziele erreicht werden. Der Bau bringt gute Voraussetzungen mit. Anders als in anderen Branchen gibt es zuverlässige Informationen über Alter, Ausbildung und Lebensläufe der Arbeiter. Nur zu streiten und nichts zu tun wäre ein viel teuerer Spaß. (DER STANDARD, Printausgabe 22.1.2002)

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