Eine österreichische Agenda im neuen Ökonomie-Paradigma

21. Jänner 2002, 19:47
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IT-Programm mit klaren Zielvorgaben und Kontrollinstanzen

Österreich liegt im New-Economy-Vergleich eher im Mittelfeld. In einer Auswertung von neuen Indikatoren reicht es gerade noch für Rang sieben unter den 15 EU-Ländern. Immerhin ist dies noch besser als der eher beschämende neunte Platz, der im Vergleich der Forschungs-und Entwicklungsaktivitäten erreicht wird.

In der Anwendung der Informations- und Kommunikationstechnologien sollte Österreich sich das Ziel setzen, in Europa Rang fünf zu besetzen, formuliert Wifo-Experte Karl Aiginger eine Zielvorgabe. Dazu gebe es schon eine Vielfalt an Programmen, aber auch ein Wirrwarr an Kompetenzen, Konzepte zeichneten sich durch Unverbindlichkeit aus. Eine wirksame Strategie, so Aiginger, müsste daher umfassen:

  • ein verbindlich fixiertes strategisches Ziel - etwa eben Rang fünf in Europa;

  • einen definierten Indikatorensatz, an dem die Zielerreichung gemessen wird;

  • einen externen Verantwortlichen, der als "IT-Manager Austria" (ähnlich wie der Forschungsrat) mit einem kleinen Büro Kontrollberichte über die Zielerreichung erarbeitet und auch über Fördermittel entscheiden kann.

Steuerliche Begünstigung

Als weitere Maßnahmen schlägt Aiginger die steuerliche Begünstigung für Firmen vor, wenn sie ihren Mitarbeitern die Firmen-PCs überlassen. Internationale Nischenchancen gebe es für Österreich vor allem in der Contentproduktion; im Hardwarebereich und bei Standardsoftware seien aber kaum Marktchancen gegeben. Eine besondere Stärke Österreichs könnte der Bereich "digitaler Content" bei Kunst, Kultur sowie in der Touristik sein.

Eine Indikatorenanalyse für Österreichs Position in der Biotechnologie ist zwiespältiger. Der Wettbewerbsbericht der EU weist für Österreich zwar eine sehr gute Stellung bei Biotech-Patenten aus. Gleichzeitig wird darin aber der geringe Umsetzungsgrad von der Forschung in die kommerzielle Verwertung moniert.

Die stärkere Vernetzung von Unternehmen mit Universitäten wird da zu einem prioritären Politikansatz, der in Österreich in manchen Technologieprogrammen auch schon betrieben wird.

Darüber hinaus gelten hier all jene Politikempfehlungen, die allgemein zur Stärkung des Innovationssystems genannt werden:

  • die externe Mobilität der Forscher: Auslandserfahrungen sollten zum üblichen Curriculum heimischer Forscher ebenso gehören wie ein bestimmter, verpflichtender Prozentsatz ausländischer Forscher zu heimischen Forschungsprogrammen;
  • Pluralismus der Finanzierungsstrukturen: Es sollte einen gut entwickelten Mix aus öffentlichen, privaten und internationalen Quellen geben;
  • finanzielle Unterstützung für Venture-Capital in frühen Phasen von Unternehmensgründungen. (jost, DER STANDARD, Printausgabe 22.1.2002)

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