Strittiges Bewertungsverfahren an der Uni

21. Jänner 2002, 21:10
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TIROL: Erziehungswissenschaften kritisieren "unkooperative" Evaluation

Innsbruck - An der Uni Innsbruck ist wegen einer Evaluierung des Instituts für Erziehungswissenschaften eine Debatte über Bewertungsverfahren ausgebrochen. Die Pädagogik - mit 1380 Studierenden das größte geisteswissenschaftliche Institut -, die vor kurzem einen neuen Studienplan mit verstärkt sozial- und kulturwissenschaftlicher Orientierung präsentierte, befürchtet eine "Demontage" und erhebt schwere Vorwürfe.

Der Vizerektor für Evaluation, Peter Loidl, so die Kritik, habe dem Senat - für die Beschlussfassung diesen Donnerstag - noch vor Vorliegen eines schriftlichen Berichts "eine pauschale, mündlich getroffene Abwertung" von zwei Gutachtern übermittelt. Und zudem ein drittes positives Gutachten als "nicht wirklich konkret" abgewertet.

Dem Institut sei bisher keine Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt worden. Dies widerspreche "allen Regeln eines professionellen" Bewertungsverfahrens, das sonst in Kooperation vonstatten gehe, heißt es in einer Aussendung.

Vor allem wehrt sich das Institut gegen die Einstellung zweier Berufungsverfahren: für einen österreichweit "einmaligen" Lehrstuhl in Behinderten- und Interaktionspädagogik und im Kernfach "Erziehungswissenschaft der Generationen".

Vizerektor Loidl spricht von "künstlicher Aufregung". Er würde im Senat nur für den Beschluss unstrittiger Punkte plädieren - etwa mit dem Institut für Lehrerbildung nicht zu fusionieren. Das weitere Vorgehen soll im März beschlossen werden. Das Institut werde die Möglichkeit zur Stellungnahme wie üblich erhalten. Nicht mehr vorgesehen sei, so Loidl zum STANDARD, dass die weitere Entwicklung des Instituts an den Vorgaben der Gutachter auszurichten sei. Am Stopp der Berufungsverfahren werde aber festgehalten. Inhaltlicher Hauptkritikpunkt sei "das Abweichen vom Fachstandard im deutschsprachigen Raum", sagte einer der Gutachter, der Züricher Pädagoge Jürgen Oelkers.

Am Institut wird betont, dass man "zum Ärger mancher Professoren und vielleicht auch Evaluatoren", in Forschung und Lehre neue Wege gehe. Die geisteswissenschaftliche Fakultät hat sich hinter das Institut gestellt. (bs,derstandard,print-ausgabe,22.1.2002)

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