Spitäler weiter auf Sparkurs

21. Jänner 2002, 20:31
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Zu geringe Investitionen in Infrastruktur: der Spitalsstandort droht daher langsam zugrunde zu gehen

Wien - "Die Substanz der Spitäler geht zugrunde." Ludwig Kaspar wünscht sich daher eine Verdoppelung der Investitionen. Aber: Im heurigen Jahr werden "nur 145 Millionen Euro (2 Milliarden Schilling) in die bauliche Infrastruktur für alle Spitäler im Krankenanstaltenverbund (KAV) investiert", bedauert Kaspar im Interview mit dem STANDARD. Der KAV-Direktor, er ist in der seit 1. Jänner ausgegliederten "Teilunternehmung 1" für 15 Spitäler und zehn Pflegeheime im KAV verantwortlich, fürchtet, dass über kurz oder lang kaputte Fenster oder bröckelnde Mauern zum Spitalsalltag gehören könnten. Damit es nicht soweit kommt, hofft Kaspar auf ein Ende des Sparkurses.

Die Situation könnte gemildert werden, wenn bessere Erträge erwirtschaftet würden, glaubt der Internist. Etwa, wenn Liegenschaften von Spitalsstandorten, die aufgelassen werden, veräußert würden, was im Fall der Klinik in Glanzing schon bald über die Bühne gegangen sein soll. 2,2 Millionen Euro soll deren Verkauf bringen.

Überhaupt wird die Standortbereinigung eine der Hauptaufgaben sein, die umzusetzen Kaspar sich vorgenommen hat.

Die Konzentration der medizinischen Leistungen auf ausgewählte Standorte, auch vorgesehen im Bundes-Krankenanstaltenplan, hält Kapsar für sinnvoll. Aus Qualitätsgründen, weil "je häufiger eine schwierige Operation in einem Spital gemacht wird, desto besser". Zweitens sei es ökonomisch sinnvoll, nicht in jedem Spital die volle medizinische Infrastruktur erhalten zu müssen.

Standorte prüfen

Fix ist, dass die bisherigen medizinischen Angebote im Preyer'schen Kinderspital und der Neurologie im Maria-Theresien-Schlössl in andere Spitäler (Franz-Josef-Spital und Baumgartner Höhe) eingegliedert werden. Weitere "Standortbereinigungen" deutet Kaspar an, die Pläne dazu "kann ich aber noch nicht bekannt geben". Denn diese müssen erst mit Gemeinderat und Stadtregierung akkordiert werden.

Vom Gemeinderat zu beschließen ist auch noch die Verteilung des Budgets im KAV. Ausverhandelt wurde unter den drei Teilunternehmungen: die Gruppe Spitäler/ Pflegeheime erhält ein Budget von 590 Millionen Euro (21,87 Milliarden Schilling), die "TU 2 AKH" (Leitung: Reinhard Krepler) bekommt 655 Millionen Euro, Josef Kastl muss in der "TU 3 Servicebetriebe" 55 Millionen Euro verwalten.

Lernen will Kaspar aus den vermutlich im Donauspital passierten Hepatitis-Infektionen. "Das Fehlermanagement ist hier nicht gut gelaufen." Es sei eine Frage der Unternehmenskultur, wie man mit eventuell Geschädigten und der Kommunikation umgehe. Die zu verbessern, hat Kaspar sich ebenfalls vorgenommen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.2002)

Zu geringe Investitionen in Infrastruktur - der Spitalsstandort droht daher langsam zugrunde zu gehen, fürchtet Ludwig Kaspar, neuer Chef der Wiener Spitäler. Er will medizinische Angebote konzentrieren und aus der "Hepatitis-Affäre" lernen.

Von Andrea Waldbrunner

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