Pflegekind wurde zu Missbrauchsopfer

21. Jänner 2002, 20:14
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Anklage nach jahrelangen Übergriffen

Linz - Mehrmals wöchentlich soll ein 51-jähriger Landwirt aus Oberösterreich sein Pflegekind sexuell missbraucht haben - über Jahre. Das Martyrium des Mädchens soll von dessen vierten bis zum zehnten Lebensjahr gedauert haben. Der Mann muss sich seit Montag vor Geschworenen am Landesgericht Linz verantworten, er legte ein weitreichendes Geständnis ab.

Unzucht mit Unmündigen, Beischlaf mit Unmündigen, schwerer sexueller Missbrauch, Vergewaltigung und Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses, so lautet die Anklage. Das Mädchen war mit drei Jahren von seiner leiblichen Mutter zu der Familie des Landwirtes gekommen. Als es vier war, begannen die sexuellen Attacken des Mannes - beim Fernsehen, in der Küche, am Heuboden. Das Opfer gilt heute als schwer traumatisiert.

Die Affäre flog im Jahr 2000 auf, als sich das Mädchen seiner leiblichen Mutter anvertraute. Zur Rede gestellt, stritt der Mann die Vorwürfe ab und erstattete Selbstanzeige. Vor Gericht bestritt er nur noch, mit dem Kind Geschlechtsverkehr gehabt zu haben.

Der Vater von zwei Söhnen schilderte, er und seine Frau hätten sich eine Tochter gewünscht, aber keine weiteren Kinder mehr bekommen können. Deswegen hätten sie das Mädchen aufgenommen. Die Beziehung habe sich jedoch nicht optimal entwickelt, er habe bei dem Kind um "Anerkennung" als Vater geworben.

Der Angeklagte ist nach Darstellung seines Verteidigers in Therapie, er bemühe sich erfolgreich, sein Leben in den Griff zu bekommen. Im Prozess sollen die leibliche Mutter des Opfers und zwei Psychiater mit Gutachten über den Angeklagten und das Mädchen gehört werden. Das Urteil soll heute, Dienstag gesprochen werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.2002)

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