ÖVP will das Fach Latein reformieren

22. Jänner 2002, 12:49
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AHS-Oberstufenreform ab 2003/04 geplant

Wien - Latein soll sich mithilfe eines neuen Lehrplans zum fächerübergreifenden "europäischen Integrationsfach" entwickeln. Gleichzeitig könnten die bisherigen Schulversuche an jenen 111 von 160 österreichischen Gymnasien, die Alternativen zur Norm (Latein verpflichtend ab der dritten Klasse) gefunden haben, gesetzlich legitimiert werden.

Mit diesem - innerparteilich abgesprochenen - Vorstoß entdeckt nun VP-Bildungssprecher Werner Amon seine Liebe zu Latein neu. Vor Weihnachten hatte er noch laut überlegt, Latein zum Freifach zu deklarieren, was in seiner Partei weniger gut ankam. Die Neuerungen sollen im Rahmen der AHS-Oberstu-fenreform stattfinden, die voraussichtlich ab dem Schuljahr 2003/04 in Kraft tritt. Dazu bedarf es aber noch der Zustimmung der SPÖ, weil Schulorganisationsnovellen eine Zweidrittelmehrheit im Parlament benötigen.

Amon am Montag in einer Pressekonferenz geläutert: "Es geht nicht darum, ein Fach ab-zuschaffen, sondern um die bestmögliche Ausbildung für die Schülerinnen und Schüler." Flankiert wurde er von zwei Vertretern des Fachs, Renate Oswald und Alfred Reitermayer. Beide forderten schöner - vor allem bunter - gestaltete Lehrbücher nach dem Vorbilder der Biologiebücher. Dergleichen sei bisher immer mit dem Hinweis "zu teuer" abgelehnt worden. Latein sei notwendig, weil es sozusagen die "Basissprache Europas" sei, historisches Bewusstsein schaffen könne und in der Auseinandersetzung mit Fachsprachen eine wertvolle Hilfe sei.

Applaus bekam Amon vom Koalitionspartner. FPÖ-Bildungssprecher Rüdiger Schender bezeichnete Latein als "Weltkulturerbe". Er sei erfreut, dass Amon einlenke.

SP: Nicht als Pflichtfach

Doch in der SPÖ hält sich der Enthusiasmus in engen Grenzen. Über die Oberstu-fenreform "wissen wir noch überhaupt nichts", kritisiert SP-Schulsprecher Dieter Antoni im STANDARD-Gespräch. Die SPÖ sei noch zu keinen Verhandlungen eingeladen worden. Er erwarte sich jedenfalls von der Reform eine "wesentlich größere Flexibilität". Spätestens ab der siebten Klasse sollte mit dem Jahrgangsklassensystem gebrochen werden. Dass Latein in der Oberstufe Pflichtfach bleiben wird, findet Antoni falsch. Das Fach sollte von Schülern abgewählt werden können, wenn sie es nicht als Grundlage für ihr künftiges Studium brauchen. (mon, derstandard,print-ausgabe,22.1.2002)

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