Prostatakrebs kann genetisch verursacht sein

21. Jänner 2002, 18:45
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Gen identifiziert, das im gesunden Zustand Zellen vor Mutationen schützt

Washington - US-Forscher haben die genetischen Bedingungen für eine Form von vererbbarem Prostatakrebs entschlüsselt und damit möglicherweise einen Durchbruch im Kampf gegen die tödliche Krankheit erzielt. Nach einer im Februarheft des US-Wissenschaftsmagazins "Nature Genetics" erscheinenden Studie gelang den Wissenschaftern vom Nationalen Genom-Forschungsprojekt, der Johns Hopkins Universität und der Cleveland Klinik die Identifizierung eines Gens, das im gesunden Zustand Zellen vor Mutationen schützt.

Der Selbstzerstörungsmechanismus der Zellen werde jedoch durch eine vererbbare Mutation des Gens außer Kraft gesetzt, führten die Wissenschafter aus. Das kranke Gen sende dann keine Warnsignale mehr an Zellen, die sich zu Krebszellen veränderten. Die mutierten Zellen könnten sich so ungehindert teilen.

Der Schlüssel?

"Die neuen Ergebnisse beinhalten einen verlockenden Schlüssel zu den komplexen genetischen Abläufen bei diesem weit verbreiteten Krebs", sagte der Leiter der Forschungsgruppe, Jeffrey Trent. Gleichzeitig dämpfte er aber Hoffnungen auf allzu schnelle Fortschritte bei Diagnose und Behandlung. "Das Gen ist nicht das einzige, das bei Prostatakrebs eine Rolle spielt." Die Suche nach an Postatakrebs beteiligten Genen begann 1992.

Damals wurden die genetischen Bedingungen für bestimmte Formen der Krankheit erforscht. 1996 entdeckten Forscher dann nach einer Versuchsreihe an 91 Risikopatienten einen Abschnitt auf Chromosom 1, der für die Vererbung von Prostatakrebs in Frage kommt. Weitere Abschnitte fanden sie auf den Chromosomen 17, 20 und dem X-Chromosom.

Zahlen

Jedes Jahr werden in den USA mehr als 189.000 Fälle von Prostatakrebs diagnostiziert. Laut Statistik erkranken 16 Prozent der erwachsenen Männer. Schätzungen gehen davon aus, dass in den USA neun Prozent der Patienten an der vererbten Form der Krankheit leiden. Als Risikofaktor gilt unter anderem Fettleibigkeit. Die Krebserkrankungen, die in Europa und den USA am häufigsten tödlich verlaufen, sind bei Männern Lungen- und Prostatakrebs, Dickdarmkrebs bei beiden Geschlechtern sowie Brust- und Gebärmutterkrebs bei Frauen. Zusammen machen sie 55 Prozent aller Krebstodesfälle aus. (APA)

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