Bund sucht neue Immobilien-Chefs

21. Jänner 2002, 17:19
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Verträge der beiden derzeitigen Geschäftsführer werden nicht mehr verlängert

Wien - Spätestens Mitte des Jahres werden zwei der interessantesten Jobs der öffentlichen Hand neu vergeben: Dann bekommt die bundeseigene Immobiliengesellschaft BIG ein neues Führungsduo. Die Verträge der bisherigen BIG-Chefs, Hartwig Chromy (60) und Gerhard Buresch (64), laufen mit Jahresende aus. Jener von Chromy könnte theoretisch verlängert werden, doch das wird nicht gewünscht. Chromy und Buresch wurden noch mit Unterstützung der alten Koalition in ihre Ämter gehievt, wobei Chromy der SPÖ und Buresch der ÖVP zugerechnet wird.

Blaues Interesse

Nun soll alles anders werden: Ein den Freiheitlichen nahe stehender Experte aus dem Bereich der ÖBB-Immobilien habe bereits deutlich sein Interesse an einem der beiden Jobs kundgetan, heißt es. Wer auf das "schwarze Ticket" spitzt, ist noch nicht bekannt. Also wird ein Headhunter zur "Objektivierung der Postenvergabe" eingeschaltet werden.

In die BIG (sie ressortiert zum Wirtschaftsministerium) werden bis 2003 alle Bundesbauten mit Ausnahme der 60 historischen Objekte und der Liegenschaften im Besitz des Verteidigungsministeriums übertragen. Dafür musste sie der Republik 33 Mrd. S (2,4 Mrd. €) zahlen. Um den Betrag zu refinanzieren, hat die BIG Anleihen begeben. Der Ertragswert der BIG dürfte bei rund 6,9 Mrd. € liegen.

Aktive Bewirtschaftung

Während die derzeitigen BIG-Chefs das dem Bund gehörende Immobilienvermögen großteils nur verwalteten, soll die neue Führung einen Schritt in Richtung aktive Bewirtschaftung machen. Aufgabe des "kreativen neuen Teams" wird es unter anderem sein, eine Verwertungsgesellschaft zu gründen, an der sich auch private Investoren beteiligen können. In diese gewerbliche BIG-Tochter sollen alle vermarktungsfähigen Immobilien eingebracht und aktiv vermietet oder verkauft werden.

Beamtenhochburgen

Außerdem soll über Bauträger die Immobilienentwicklung vorangetrieben werden, die dann im Zuge von Private-Public-Partnership-Modellen finanziert wird. Dazu gehört etwa auch, die Beamtenhochburgen in schönen, zentralen Lagen in der Wiener Innenstadt zu durchforsten und zu hinterfragen, ob die Staatsdiener wirklich in Nobellagen sitzen müssen, die bei einer privaten Vermietung deutlich höhere Einnahmen bringen würden.

Eurostat-Entscheidung bis Ende Jänner

Sowohl im Wirtschafts- als auch im Finanzministerium geht man derzeit davon aus, dass die im Jahr 2000 vollzogene budgetäre BIG-Ausgliederung vom Eurostat anerkannt wird. Eine Entscheidung wird für Ende Jänner erwartet. Ende 2001 war die BIG-Ausgliederung vom Eurostat auf ihre Maastricht-Konformität hin abgeklopft worden. Kernfrage, dabei ist, ob die BIG-Ausgliederung bloß zur Senkung des Defizits erfolgt ist oder ob die BIG GmbH als selbstständige Wirtschaftseinheit anerkannt wird, die nicht nur Hilfsdienste für

den Bund erledigt. Ausschlaggebend für die Prüfung war die Tatsache, dass die BIG-Flächen fast zur Gänze wieder von öffentlichen Einrichtungen gemietet werden. Eine autonome Betriebsführung unter privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten sei damit nicht erkennbar, hatte es vor den abschließenden Prüfungen der europäischen Prüfer geheißen, später waren moderatere Töne zu hören. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 22.1.2002)

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