Montan-Uni beklagt "Gleichbehandlung von Ungleichen"

21. Jänner 2002, 16:06
3 Postings

Rektor Pöhl kritisiert Blockade von Infrastrukturmittel durch Forschungsrat - "Staat höhlt Unis zunehmend aus"

Leoben - Als "Gleichbehandlung von Ungleichen" kritisiert der Rektor der Montanuniversität Leoben, Wolfgang Pöhl, die Blockade von Infrastrukturmitteln für die Unis in Höhe von 777 Mill. S (56,5 Mill. Euro) durch den Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT). Der Rat will diese Mittel erst bei entsprechenden Reformfortschritten der Hochschulen freigeben. "Das frustriert jene, die ihre Hausaufgaben gemacht haben. Bei uns gibt es keine Doppelgleisigkeiten, ich finde das demütigend und falsch", sagte Pöhl im Gespräch mit der APA.

Die Rektorenkonferenz hatte jüngst in einem Brief dem Forschungsrat vorgeworfen, die Innovation an den Unis durch Nichtfreigabe dieser Infrastrukturmittel, die aus den Forschungssondermitteln der Bundesregierung kommen, zu blockieren. Der RFT hatte diesen Vorwurf unter Hinweis auf rund eine Mrd. S, die aus den Sondermitteln für den Uni-Bereich freigegeben wurden, zurückgewiesen. Pöhl sieht allerdings die Aufgabe des Forschungsrates weniger im Geldverteilen, "er sollte besser anspruchsvolle Ziele setzen".

Der Montanuni-Rektor hat das Gefühl, "dass der Staat die Universitäten zunehmend aushöhlt" und sich auf ausgelagerte Forschungseinrichtungen wie Kompetenzzentren konzentriere. Doch eine Beteiligung an solchen Einrichtungen sei nicht für alle Fächer möglich. "Wehe dem, der nicht dort vertreten sein kann, der sieht dann kein Geld", so Pöhl. Außerdem seien solche Forschungsinstitutionen nur auf Zeit eingerichtet, und man müsse fragen, was danach passiere.

Stagnation geht weiter

Probleme sieht Pöhl auch auf Grund der Stagnation des Uni-Budgets. In den neunziger Jahren sei extrem viel passiert und das Hochschulbudget von 19 Mrd. S 1990 auf 33 Mrd. S im Jahr 1999 gestiegen. Im Jahr 2000 sei das Budget aber auf 30 Mrd. S abgestürzt. "Das Problem ist, dass der Durchschnitt der Budgets der Jahre 2000, 2001 und 2002 für mehrere Jahre das fixierte Budget der vollrechtsfähigen Unis werden soll, das heißt, man stoppt den dynamischen Prozess der neunziger Jahre und setzt die Stagnation fort", erklärte der Rektor.

Pöhl hat weniger ein Problem mit dem niedrigeren Budget, aber wenn weniger Geld da ist, "hätte der Staat die bildungspolitische Aufgabe, durch strukturelle Maßnahmen Ressourcen freizumachen". Der Staat müsse sagen, dieses müsse dort und dort angeboten werden, und anderes solle aufgegeben werden. Das könne man nicht den Universitäten überlassen, wie dies derzeit im Rahmen der Profilbildung passiert. Problematisch daran sei auch, dass das derzeitige System der Universitäten keine Schließungen erlaube. "Wohin soll ich denn die Leute geben, wenn ich etwas zusperre", so Pöhl.

Die Uni-Reform begrüßt der Rektor der Montanuni grundsätzlich, nennt allerdings mehrere Voraussetzungen. So sei bisher noch nicht über die Mehrkosten wie Miete oder Versicherungen gesprochen worden, die auf die Unis durch die Autonomie zukommen. "In so ein Abenteuer kann man nicht ohne klare Vermögensverhältnisse, ohne Eröffnungsbilanz gehen," betonte Pöhl. (APA)

Share if you care.