CD-Kopien ärgern Industrie - CD-Kopierschutz ärgert Verbraucher

21. Jänner 2002, 14:41
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Musikindustrie spricht von einer "höchst bedrohlichen Situation"

Kopierschutz bei Musik-CDs sorgt derzeit bei Computernutzern und Musikfans für großes Ärgernis. Online-Foren sind prall gefüllt mit Beiträgen dazu. Die Computerzeitschriften schießen sich derweil auf das Thema ein. Sie titeln: "Geknackt! Wie Sie den Kopierschutz jeder Musik-CD überlisten." Oder: "Kopierschutz? Na und!" In Testberichten werden Tipps gegeben, wie «Silberscheiben trotz hartnäckigem Kopierschutz» geknackt werden können.

"Ja."

Computerexperten wissen eine einfache Antwort auf die Frage, ob man jede Musik-CD kopieren kann: "Ja." Sobald es einen neuen Kopierschutz gebe, sei schnell ein neues Crack-Programm auf dem Markt. Die Zeitschriften berichten nicht mehr ausschließlich über Prozessoren, Internet, Computerspiele oder wie der Rechner schneller und sicherer gemacht werden kann. Sie bringen Berichte über CD- Brenner, DVDs und digitale Fotografie.

Mehr als sechs Millionen

Seit Sommer 2001 wurden mehr als sechs Millionen kopiergeschützte CDs ausgeliefert, berichtet Peter Zombik, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft (Hamburg). Die Industrie will nach Verbandsangaben verhindern, dass die Tonträger beliebig oft vervielfältigt oder im Internet zum Tausch angeboten werden.

Viele CD-Laufwerke spielen die Scheiben gar nicht mehr ab."

Die gängigen Verfahren zum Kopierschutz verhindern das Abspielen einer Audio-CD im CD-ROM-Laufwerk eines Computers. Verbraucherschützer wie die Stiftung Warentest bemängeln: "Viele CD-Laufwerke spielen die Scheiben gar nicht mehr ab." Die neuen Kopierschutz-Systeme schmälern auch das Hörvergnügen, wenn die CD über herkömmliche Stereoanlagen abgespielt wird. Zu diesem Ergebnis ist die Fachzeitschrift "Audio" in einem Test gekommen. Auf bestimmten CD-Playern könnten kopiergeschützte CDs überhaupt nicht mehr angehört werden. Insgesamt hätten ein Dutzend Abspielgeräte Probleme aufgewiesen.

www.gegen-den-kopierschutz.de

Die meisten Sicherungsverfahren arbeiten mit irreführenden Angaben auf Datenabschnitten, die Computerlaufwerke zwar erkennen, von herkömmlichen CD-Spielern aber nicht eingelesen werden. Zwei der getesten Kopierschutz-Systeme griffen laut "Audio" jedoch direkt in die musikalische Daten ein. Das Abspielgerät müsse dadurch entstehende Datenfehler ausgleichen und könne nicht mehr die gewohnte Tonqualität liefern. Solche Dinge regen den Unmut der Musikliebhaber. Jörg Dennis Krüger - der das Forum www.gegen-den-kopierschutz.de schuf - kritisiert auch, dass die Erstellung von Kopien für den privaten Gebrauch verhindert werde.

Höchst bedrohliche Situation für unsere Geschäftsaussichten

Dem tritt der Phono-Verband entgegen. "Auf CD-Rohlingen schaffen Sie keine Kopie sondern einen Klon", sagt Zombik - also nahezu ein perfektes Duplikat des Originals und kein Abbild wie auf einer Audio-Kassette. Und deshalb sieht er eine "höchst bedrohliche Situation für unsere Geschäftsaussichten". 2001 seien mehr Musik-CDs gebrannt worden als die Industrie verkauft hat. Zombik beruft sich dabei auf eine GfK-Studie im Auftrag seines Verbandes.

108,7 Millionen Tonträger sind im ersten Halbjahr 2001 verkauft worden: 10,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Umsätze im ersten Halbjahr sind um 12,6 Prozent zurückgegangen. Der größte Teil des wirtschaftlichen Schadens sei durch Eins-zu-Eins-Kopien durch Brennen entstanden. Zusätzlich tragen laut Zombik die illegalen Tauschbörsen im Netz dazu bei.

Ein schwieriges Jahr

"Wir haben ein vergleichsweise schwieriges Jahr vor uns", sagt Zombik. Möglicherweise nur noch eins: Bis November 2002 muss die Bundesregierung Zombiks Angaben zufolge eine EU-Info-Richtlinie in Deutschland umsetzen. 14 Organisationen der Branche haben deshalb Vorschläge für ein neues Urheberrecht gemacht. Zombik hofft, dass dann die Umgehung von Kopierschutzsystemen gesetzlich untersagt wird und auch keine Anleitung zum Knacken mehr in Zeitschriften gegeben werden darf.(dpa/APA)

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