Schimpfe aus dem Kreml

21. Jänner 2002, 14:45
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Russlands Regierung distanziert sich energisch von Putin-Jugend, die die wichtigsten heimischen Autoren kritisiert und beschimpft hat

Moskau - Die Angriffe der Kreml-treuen Jugendbewegung "Gemeinsamer Weg" auf Russlands wichtigste zeitgenössische Autoren ist in der russischen Regierung auf scharfe Kritik gestoßen. Kulturminister Michail Schwydkoj sprach am Montag in Moskau von einem "Aufruf zur Zensur, einem Angriff auf das Verfassungsrecht der Freiheit der Kunst".

Klares Absetzen von dieser Geisteshaltung gefordert

Er forderte, staatliche Stellen sollten sich klar absetzen von der Aktion des "Gemeinsamen Weges", Bücher der Postmodernisten Viktor Pelewin, Wladimir Sorokin und Viktor Jerofejew als "schädlich" aus dem Verkehr zu ziehen. Der Vorsitzende der sich präsidententreu gebenden Organisation, Wassili Jakemenko, hatte die Werke der drei Autoren am Freitag als "Dreck" bezeichnet.

Dinge, die sich nicht wiederholen dürfen

"Wir erinnern uns, wie in der Sowjetunion angeblich "schädliche" Bücher aus dem Verkehr gezogen wurden", sagte Schwydkoj. Dies dürfe sich nicht wiederholen, meinte der Minister, der am Montag mit dem deutschen Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin Gespräche führte. Das für Verlagswesen zuständige russische Presseministerium schloss sich der Auffassung Schwydkojs an, heisst es.

Stoppt Sie, bevor sie Faschisten werden

"Im 21. Jahrhundert sollten die Kunst wie die Menschen frei sein", sagte der angegriffene Autor Wladimir Sorokin ("Der himmelblaue Speck"). Sein Kollege Viktor Jerofejew erklärte, die Jungfunktionäre müssten schleunigst gestoppt werden, "sonst werden sie noch zu richtigen Faschisten".

Anschlag auf die Freiheit der Person

"Gemeinsamer Weg" wollte von Montag an an Sammelstellen Bücher der drei Autoren sowie von Karl Marx in Werke des Sowjetklassikers Boris Wassiljew umtauschen. Wassiljew distanzierte sich von der Aktion. "Das ist ein Anschlag auf die Freiheit der Person", sagte er im Radiosender "Echo Moskwy". Die Organisation "Gemeinsamer Weg" hatte sich 2000 zur Unterstützung von Präsident Wladimir Putin gegründet. (APA/dpa)

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