Chemische Verseuchung des Wassers von Goma befürchtet

21. Jänner 2002, 12:45
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Schwermetalle gefährlicher als Bakterien

Nairobi/Goma - Die chemische Verseuchung des Trinkwassers ist für die Bevölkerung der verwüsteten Stadt Goma möglicherweise eine größere Gefahr als die Belastung durch Bakterien. "Während Bakterien mit Chlor abgetötet werden können, würde uns das mit Chemikalien kontaminierte Wasser vor große Probleme stellen", erklärte ein Sprecher des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), Florian Westphal, in der kenianischen Hauptstadt Nairobi.

Schwermetall-Belastung

Ihr Trinkwasser gewinnen die Menschen in Goma gewöhnlich aus dem Kivu-See. "Das Problem ist, dass die Hauptpumpe der insgesamt drei Anlagen der Stadt direkt neben dem aktiven Lava-Fluss in den See ragt", erläuterte Westphal. Durch die Verbindung der schwefelhaltigen Vulkanmasse des Nyiragongo und im See angelagerter Methan- und Kohlendioxid-Vorkommen könnte sich eine außergewöhnliche Belastung mit Schwermetallen ergeben. "Das Wasser wird dadurch außerordentlich schädlich und ungenießbar", sagte der Deutsche.

Die Pumpstation und zwei Drittel der Wasserrohrleitungen der ostkongolesischen Stadt seien zwar weitgehend intakt, doch die Helfer müssten zunächst aufwendige Wasseranalysen abwarten. "Sie müssen Aufschluss über den Grad der Verseuchung geben, bevor das Wasser ans Netz gehen kann." Bisher schöpften die rückkehrenden Flüchtlinge eigenmächtig Wasser an anderen Stellen des Sees.

Alternative Aufbereitungsanlage

Lediglich eine kleine Pumpstation im Ostteil der Stadt versorge derzeit einen geringen Teil des Wassernetzes. "Sollte sich zeigen, dass das Wasser an der Stelle der Hauptabsaugpumpe unverwendbar ist, dann müssten wir mit Hilfe einer Aufbereitungsanlage aus Gisenyi andere Versorgungsmöglichkeiten erwägen", sagte der Sprecher.

Das IKRK-Logistikzentrum Nairobi ist das größte der Region. Am Samstag entsandte es bereits drei Lastwagen mit 56 Tonnen desinfizierenden Chemikalien zur Wasseraufbereitung nach Goma, um zumindest die Seuchengefahr zu bannen. (APA/dpa)

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