Infineon erwartet auch 2002 rote Zahlen

21. Jänner 2002, 21:29
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Vorstandschef Schumacher: "Das Schlimmste ist überstanden" - Umsatz und Verlust im ersten Quartal gesunken

München - Der Chiphersteller Infineon rechnet auch im laufenden Jahr mit einem Verlust. Vorstandschef Ulrich Schumacher sagte am Montag in München: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Speicherpreise so entwickeln, dass wir im Gesamtjahr schwarze Zahlen schreiben." Die schlimmste Rezessionsphase im Halbleitermarkt sei zwar überstanden. Es gebe positive Zeichen in einzelnen Bereichen. "Aber bisher fehlen noch klare Signale für eine nachhaltige Erholung des Gesamtmarktes".

Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres sank der Umsatz um fünf Prozent auf 1,0 Mrd. Euro (13,76 Mrd. S). Der Nettoverlust fiel mit nur noch 331 Mill. Euro deutlich geringer aus als im letzten Quartal. Im zweiten Quartal rechne er mit einem weiter zurückgehenden Verlust, sagte Schumacher.

Preise stark gestiegen

Die Preise für Computerspeicher seien seit November stark gestiegen. Sie lägen inzwischen knapp unter den Herstellungskosten. "Wir wissen aber nicht, ob das ein stabiler Trend ist oder eine nervöse Reaktion der Märkte", die ihre leeren Lager jetzt wieder etwas auffüllten, erklärte der Infineon-Chef. Bei Mobiltelefonen zeichne sich eine langsame Erholung ab durch ein verstärktes Ersatzgeschäft und die Einführung der nächsten Generation von GSM/GPRS-Handys. Auch bei Sicherheits- und Chipkarten-ICs äußerte sich Schumacher optimistisch, dass sich der im ersten Quartal noch negative Trend in den nächsten zwei Quartalen umdrehe.

Auf der anderen Seite nehme der Preisdruck in der Automobil- und Industrieelektronik zu. Am pessimistischsten sei er bei der drahtgebundenen Telekom-Infrastruktur, deren Umsatz im ersten Quartal sich beinahe halbierte. "In den nächsten zwei bis drei Quartalen erwarten wir keinen Aufschwung", sagte Schumacher.

Restrukturierungsprogramm

Die Cash-Position von Infineon sei mit 302 Mill. Euro netto so solide, dass das Unternehmen "auch unter den wildesten Bedingungen über die Runden" käme. Weitere Kapitalspritzen seien nicht geplant, bei günstigen Marktbedingungen aber auch nicht auszuschließen. Das Spar- und Restrukturierungsprogramm werde die Liquidität im laufenden Jahr um 1,5 Mrd. Euro verbessern.

In der Halbleiter-Industrie redeten derzeit alle mit allen über Möglichkeiten des Zusammengehens, sagte Schumacher. Auch Infineon spreche mit allen und halte Ausschau nach Gelegenheiten. Er sei aber nicht bereit, Geld in Akquisitionen zu investieren. (APA)

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