Irak: Saddam Hussein prüft Mobilisierung

21. Jänner 2002, 11:55
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Bagdad will für möglichen US-Angriff gerüstet sein

Bagdad/Kairo - Der irakische Staatschef Saddam Hussein will sein Volk "mobilisieren, um einem möglichen amerikanischen Angriff" auf sein Land entgegenzutreten. Das sagte er in der Nacht auf Montag bei einem Treffen mit den Spitzen der regierenden Baath-Partei und der Militärführung. "Bei dem Treffen wurden Maßnahmen zur Straffung der Organisations- und Mobilisierungsprozesse innerhalb der Partei diskutiert, um für die Anforderungen der gegenwärtigen außergewöhnlichen Situation gewappnet zu sein", berichtete die staatliche Nachrichtenagentur INA. "Auch über die Mobilisierung des irakischen Volkes wurde gesprochen."

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, hatte den irakischen Präsidenten bei seinem Besuch in Bagdad am vergangenen Wochenende davor gewarnt, den Amerikanern durch die scharfe anti-amerikanische Propaganda seines Kabinetts und der staatlichen Medien einen Anlass für einen Angriff zu liefern. Die arabische Presse berichtete anschließend, Saddam Hussein habe versprochen, darüber "ernsthaft nachzudenken". Mussa war nach seinem Treffen mit ihm jedoch sehr einsilbig und wollte auch nichts zu einer möglichen Aussöhnung zwischen dem Irak und Kuwait sagen. Der Generalsekretär wird noch in diesem Monat zu einem Besuch in Kuwait erwartet.

Die Arabische Liga lehnt jedes militärische Vorgehen gegen den Irak strikt ab. Alle arabische Staaten würden einem Angriff auf den Irak entgegenstehen, sagte Mussa am Samstag nach einem Treffen mit dem irakischen Staatschef. Die Arabische Liga ist ein 1945 geschaffener Zusammenschluss von heute 22 Staaten, einschließlich des 1988 von der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ausgerufenen Staates Palästina. Die PLO war als solche bereits 1976 Vollmitglied der Liga geworden. Zu den Gründungsmitgliedern Ägypten, Irak, Jemen, Jordanien, Libanon, Saudiarabien und Syrien kamen später Algerien, Sudan, Libyen, Marokko, Tunesien, Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Mauretanien, Somalia, Dschibuti und die Komoren hinzu.

Die irakische Nachrichtenagentur INA berichtete unterdessen, der Iran habe die Freilassung von 697 irakischen Kriegsgefangenen aus dem iranisch-irakischen Krieg (1980-88) während der kommenden drei Tage angekündigt. Der Irak ist momentan stark an einer Verbesserung der Beziehungen zum Nachbarland Iran interessiert. Vor einigen Tagen war sogar die Wiederaufnahme von Flügen zwischen den beiden Hauptstädten vereinbart worden.(APA/dpa)

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