Euro-Probleme der Deutschen

27. Jänner 2002, 17:02
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Empörung über Preistreiberei - Angeblich kein Gefühl für neues Geld

Frankfurt/Main/München - Bei den Verbrauchern in Deutschland wächst die Empörung über Euro-Preistreiber: 70 Prozent glauben laut einer Forsa-Studie im Auftrag der "Bild am Sonntag", dass sie derzeit mehr zahlen als noch vor einem Jahr. Rund 16 Prozent der 1.000 Befragten gaben an, schon einmal "aus Wut oder Empörung ein Geschäft oder Restaurant" verlassen zu haben. Der Sprecher des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr, sagte, dass die Kunden Wucher nicht akzeptierten und "schwarze Schafe" abstraften.

Künast: Boykott!

Aus Sicht der deutschen Verbraucherschutzministerin Renate Künast gefährden Euro-Preistreiber die "europäische Idee". Wenn der Euro als Abzockerei erlebt werde, gehe das Vertrauen der Menschen in die neue Währung verloren, schrieb die Ministerin in der "Bild am Sonntag". Künast forderte die Verbraucher auf: "Lassen Sie die Produkte, die erkennbar stark verteuert wurden, auch ruhig mal links liegen."

Edgar Meister, Direktoriumsmitglied der deutschen Bundesbank, sagte im Radio: "Es gibt verschiedene Dienstleistungsbereiche, möglicherweise beim Friseur oder in der Gastronomie und im Hotelgewerbe, wo es zum Teil zu erheblichen Preiserhöhungen kam." Hier sei anscheinend versucht worden, die höheren Preise hinter dem Euro zu verstecken.

Umrechnung in DM

Auch beim Bezahlen gibt's Enttäuschungen. Die Mehrheit in Deutschland rechnet die Preise noch immer in DM um. Nur jeder fünfte hat bereits ein Gefühl für den Wert der neuen Währung entwickelt, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts NFO Infratest. "Drei Viertel der Deutschen verhalten sich beim Einkauf dagegen wie im Auslandsurlaub: Sie rechnen zur eigenen Preisorientierung die neuen Euro-Preise in die alten DM-Werte um", berichtete NFO Infratest am Montag in München mit. Dafür hatte das Institut in der zweiten Januarwoche 1.100 Menschen in Deutschland befragt.

Nach Ansicht der meisten Befragten (70 Prozent) sind die Preise mit der Euro-Einführung gestiegen. Lediglich drei Prozent sind überzeugt davon, dass die Preise nach der Euro-Einführung niedriger sind als vorher. Rund ein Viertel glaubt, dass sich die Preise nicht geändert haben.(APA)

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