Mehr als 4,5 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau

22. Jänner 2002, 13:43
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Internationale Geberkonferenz in Tokio ging zu Ende

Tokio - Die internationale Gemeinschaft hat Afghanistan Hilfen in Höhe von insgesamt mehr als 4,5 Milliarden Dollar (5,1 Mrd. Euro) für den Wiederaufbau des Landes versprochen. Die Vorsitzenden der Geberkonferenz in Tokio sprachen am Dienstag zum Abschluss ihrer zweitägigen Tagung von einem "großen Erfolg".

Der Finanzminister der afghanischen Übergangsregierung, Hedajat Amin Arsala, sprach von einer großzügigen Hilfe und versprach, die Hilfsmittel effizient zum Wohle der leidenden Bevölkerung und zur Sicherung von Stabilität einzusetzen.

Wie sich die Summe von 4,5 Milliarden Dollar im Einzelnen zusammensetzt, blieb zunächst unklar. In Konferenzkreisen hieß es, es handle sich möglicherweise nicht immer um direkte Geldzuwendungen. Dennoch zeigten sich die KonferenzteilnehmerInnen mehr als zufrieden. Die Geberkonferenz habe "alle Erwartungen übertroffen", sagte die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul.

Schnell soll's gehen

Für dieses Jahr belaufen sich die Zusagen auf "über 1,8 Milliarden Dollar". Die Delegierten von 82 Staaten und Organisationen einigten sich auf die schnelle Bereitstellung der Mittel. Die Geberkonferenz sagte Afghanistan zu, man werde dem Land langfristig zur Seite stehen.

Nach der Zusage der Gelder hofft der afghanische Regierungschef Hamid Karsai auf eine baldige Auszahlung der internationalen Hilfe. "Ich hoffe, die Zusagen werden in den nächsten Tagen umgesetzt", sagte Karsai in Tokio am Dienstag vor JournalistInnen.

Der österreichische Beitrag

Österreich war durch Außenministerin Benita Ferrero-Waldner vertreten. Die österreichische Hilfe konzentriere sich auf Projekte für Frauenrechte, Minenräumung und Drogenkontrolle. Die rund 12 Millionen Euro des österreichischen Anteils gliedern sich wie folgt auf: 6,5 Millionen Euro sind für den Wiederaufbau des durch Bürgerkrieg und Dürre zerstörten Landes vorgesehen. 4,5 Millionen Euro kostet die Entsendung österreichischer Soldaten im Rahmen der UNO-Schutztruppe (ISAF). 1,1 Millionen Euro stellt die Bundesregierung für humanitäre Hilfsprojekte bereit. Ferrero-Waldner betont, dass Österreich im Jahr 2001 zusätzlich 8,7 Millionen Euro zur Unterstützung afghanischer Flüchtlinge aus den Mitteln der Bundesbetreuung aufgewendet habe.

Kritik von den Grünen

"12,3 Mio. Euro für den Wiederaufbau Afghanistans sind ein Anfang, aber zu wenig - noch dazu, wo ein gutes Drittel davon (nämlich 4,5 Mio.) für die Beteiligung von österreichischen Soldaten an der ISAF-Truppe ausgegeben wird", kritisierte die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Lunacek, den Beitrag Österreichs bei der Geberkonferenz in Tokyo.

Als zehntreichstes Land der Erde, so Lunacek, müsste es sich Österreich leisten wollen, für zivile Aktivitäten wie Empowerment von Frauen sowie Minenräumung zumindest doppelt so viel wie in Tokyo angekündigt auszugeben.

Weiters wiederholt Lunacek die von den Grünen schon mehrmals aufgestellte Forderung, dass die Bombardements der US-Streitkräfte in Afghanistan sofort eingestellt werden sollten, wenn dem Wiederaufbauprogramm Erfolg beschieden sein soll. "Wie soll die Bevölkerung sonst verstehen, dass die fremden Soldaten tatsächlich Hilfe und nicht weitere Bomben bringen?", so Lunacek abschließend. (APA/Reuters/dpa/red)

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