Trinkgeldfalle (II)

25. Jänner 2002, 09:17
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Vergangene Woche habe ich Ihnen von meiner ersten Euro-Entgleisung erzählt: Ich hatte in einem Restaurant eine Rechnung von 37 Euro auf 45 Euro ausgebaut, was einem "Trinkgeld von sieben Euro" entsprach, so schrieb ich.

Danke für das imposante Leserecho! - Inhaltlich können wir ja oft ungestraft den größten Schwachsinn verzapfen, aber wehe, eine Zahl stimmt nicht!

Darf ich Ihnen dazu eine kurze Geschichte erzählen? - Ein Lehrling verkaufte in Abwesenheit seines Meisters ein Spiel um 30 Euro an drei Kinder, wovon jedes der drei zehn Euro zahlte. Als der Geschäftsherr zurückkam, erzählte der Lehrling stolz von seinem Verkauf. Da das Spiel aber im Angebot war und nur 25 Euro kostete, beauftragte der Inhaber den Lehrling, den Kindern die fünf Euro zurückzugeben. Dem Lehrling war es jedoch zu mühsam, fünf Euro durch drei zu teilen. So gab er den Kindern nur je einen Euro zurück und behielt die restlichen zwei selbst. Somit hat jeder der Kinder statt zehn nur neun Euro bezahlt hat. Neun mal drei ist 27. Diese 27 plus jene zwei, die der Lehrling einsteckte, ergeben 29.

So. Wenn Sie mir verraten, wo der 30. Euro geblieben ist, dann gebe ich zu, dass 45 weniger sieben 38 ausmacht und dass ich meinen Fehler zutiefst bereue.

(DER STANDARD, Printausgabe vom 21.1.2002)

Von
Daniel Glattauer


Trinkgeldfalle I
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