Gehäutete Geschichte - Körperarbeit

20. Jänner 2002, 23:20
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Wiener Galerienrunschau: Udo Bohnenberger bei KlausEngelhorn und Ines Doujak und Franz Kapfer bei Hohenlohe & Kalb

Brancusis "Endlose Säule" zitiert er mittels Apothekerkorken, vorgefertigten Teilen aus dem Baumarkt eignet er seine Minimal-Art-Kommentare an. Der aus Mainz gebürtige Udo Bohnenberger, Jahrgang 1969, Absolvent der Akademie am Schillerplatz und Mitbegründer des Offspace Kunstraumes im 3. Bezirk, bestreitet seine erste Einzelausstellung kaum mit Objekten, sondern mit einer prozessorientierten Arbeit. Er legt die Geschichte des Galerieraumes, der alles andere als ein White Cube ist, frei bzw. lässt im wörtlichen Sinn die Mauerschichten von einem professionellen Restaurator freilegen. Das Ambiente des ehemaligen Lebensmittelgeschäftes, die vielen Gebrauchsspuren sowie die Eingriffe des Restaurators verströmen für Leute mit "verdorbenem" Kunstblick eine Poesie des Weglassens. Bohnenberger gibt mittels Bodenkacheln oder Türverbauungen minimale Vorschläge für die (Galerie-)Zukunft. Lapidar wie radikal. (dok)
KlausEngelhorn20
1., Stubenring 20. Bis 13. 2.

Körperarbeit

Ganz auf den (eigenen) Körper und dessen Konnotationen und Codes bezogen arbeiten hingegen die in Wien lebenden Künstler Ines Doujak sowie Franz Kapfer, hinterfragen das in den vergangenen Jahren reichlich strapazierte Genre der Geschlechterrollen und Identitäten wohltuend anders. Der junge Pistoletto/Zobernig-Schüler Kapfer persifliert Männlichkeitsmythen sowie die Produktionsstätten von schönen Körpern, deren Verherrlichung im Körperkult des Faschismus und Nationalismus pervertiert wurde. Der Künstler stellt sich dabei zum Beispiel analog zu den Helden im römischen Foro Italico als antike Fotoskulptur dar - auch in der Alpin-Version mit Ski. Überspannt-vordergründig allerdings seine Videoperformance A. H. in Berchtesgaden.

Ines Doujak, eine Entdeckung bei der Schau der Generali Foundation "Dinge, die wir nicht verstehen", bildet mit ihren provokanten, harten, rätselhaften und auch mitunter lyrischen Fotoobjekten, Collagen und Fotografien die Folie, vor der kulturelle, geschlechtsspezifische und religiöse Muster und mediale Klischees ineinander greifen. Dabei bleiben ihre Werke souverän offen. (dok)
Galerie Hohenlohe & Kalb, 1., Bäckerstraße 3, (01) 512 97 20. Bis 12. 2.

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