Plattmachen ist kein Problem

21. Jänner 2002, 19:45
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Die neuen Münzen im definitiven Kleine-Buben-Härtetest

Wien - "Es besteht keine Gefahr." Johann Ehrengruber war sofort darauf bedacht zu beruhigen. "Dabei kann gar nichts passieren." Aber Ehrengruber hat leicht reden: Als Sprecher der Wiener Linien musste er sich nämlich keine Gedanken über das Überleben der Münzen machen - seine Sorge galt (und gilt) den schienengebundenen Fahrzeugen der Wienern Linien und deren Fahrgästen. Und als STANDARD-Fotograf Andi Urban mit den Worten "das ist aber schon unglaublich kindisch" ein klein wenig über den Auftrag, Münzen auf Straßenbahnschienen zu legen, - äh - "philosophierte" und zu verstehen gab, dass ihm die Erfüllung des als "definitivem Alltagshärtetest für den Euro" deklarierten Auftrages etwas peinlich sei, wurde eben um eine offizielle Foto- und Überrollerlaubnis angesucht.

"Das haben wir als Buben mit dem Schilling ja auch gemacht", zeigte man bei den Wiener Linien Verständnis, "und wie der Schilling wird auch der Euro diesem Druck nicht standhalten."

Und siehe da: Die Straßenbahnen überstanden den Test unbeschadet. Die "Hoffnung", bei den Ein- und Zwei-Euro-Münzen könnten sich Ring und Kern der Münze durch den Druck voneinander verabschieden, erfüllte sich allerdings nicht: Auch nach mehrmaligem Überfahren blieben sämtliche Münzen intakt. Sie verformten sich aber so deutlich, dass der eigentlich für danach vorgesehene Test im Münzautomaten entfallen konnte: Die Gravur auf den Münzen wurde überall so beschädigt, dass man sie kaum mehr spüren konnte.

Ein- und Zwei-Euro-Stücke wurden deutlich flacher und breiter. Ein- und Fünf-Cent-Münzen zeigten ausgeprägte Tendenzen zur Palatschinke, während 10-, 20- und 50-Cent-Stücke ihre Form kaum veränderten: Die neuen Münzen können dem Schilling und seinen zuletzt gängigsten Geschwistern in Sachen Härte also durchaus das Wasser reichen - einzig die Auswalzqualitäten des Zehn-Groschen-Stückes wird wohl keine Münze je wieder erreichen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.1.2002)

Von Thomas Rottenberg
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