Eine Vaterschaft mit Hindernissen

20. Jänner 2002, 21:03
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Österreicher wartet seit eineinhalb Jahren auf seine Kinder

Lagos/Wien - Für Österreicher gibt es bei der Familienzusammenführung eigentlich keine Probleme: Sie können ausländische Ehepartner oder Kinder recht unbürokratisch, und ohne auf einen Platz in der Zuwanderungsquote zu warten, zu sich holen. Normalerweise.

Außer vielleicht Taofeek Olaniyi Olajide. Seit Sommer 2000 versucht er, für seine drei Kinder, die noch nigerianische Staatsbürger sind, Niederlassungsbewilligungen zu ergattern. Im Oktober 2000 war es so weit. Jedenfalls fast: Die zuständige Wiener Fremdenpolizei hatte die Anträge positiv erledigt und die fertigen Bewilligungen an die österreichische Botschaft in Nigeria geschickt, zur Ausfolgung an die Kinder, die dort bei den Großeltern leben.

"Wachsamkeit"

Aber Botschafter Christoph Parisini ist für seine Wachsamkeit bekannt. Ebenfalls anno 2000 hatte er in einem Gutachten für eine inländische Behörde offiziell mitgeteilt: "Die Nigerianer sind leider vielfach (...) Meister der Fälschung von Dokumenten und Nachweisen aller Art" (DER STANDARD berichtete). Um einer solchen Fälschung auch im Fall Olajide vorzubeugen, schickte die Botschaft die fertigen Bescheide zurück nach Wien: Die Geburtsurkunden der Kinder seien genauer zu überprüfen.

Die Vertrauensanwältin der Botschaft begann daraufhin zu recherchieren: Sie suchte die Großeltern auf (dreimal), bemühte sich in die Schulen der Kinder und aufs Standesamt (je zweimal) und sprach mit Herrn Olajides Bruder, der am Wohnort der Kinder Lokalpolitiker ist. Einhellige Auskunft: Urkunden in Ordnung, Vater Olajide und Kinder Olajide sind tatsächlich Vater und Kinder.

Die Erhebungen waren im Sommer 2001 abgeschlossen. Trotzdem wartet die Familie nach wie vor auf ihre Zusammenführung. Johann Bezdeka, zuständiger Abteilungsleiter im Innenministerium, versichert, solche Bearbeitungszeiten seien "in Fällen, in denen irgendein Problem zu klären ist", durchaus üblich.

Inzwischen haben sich die Grünen des Falles angenommen, Alexander Van der Bellen hat ihn im Oktober dem Innenminister vorgetragen. Trotzdem heißt es: bitte warten. Empörte Frage aus dem grünen Parlamentsklub: "Wie geht es dann erst Leuten, um die sich kein Bundessprecher einer Parlamentspartei kümmert?" (DER STANDARD, Print vom 21.1.2002)

Von Robert Schlesinger
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