Hedgefonds heben Gewinnchancen

20. Jänner 2002, 19:37
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Hedgefonds, das klingt für viele Anleger noch immer wie eine Gefahr - Doch jüngste Fakten sollten eines Besseren belehren

In Österreich haben sich in den vergangenen Jahren einige sehr erfolgreich operierende Fonds für alternative Investments etabliert. Alternative Investments sind Investmentprodukte, die unabhängig von traditionellen Anlageformen wie Wertpapieren Erträge erzielen. Zu dem Ergebnis: Die Hasenbichler AG hat in elf Jahren 25 Prozent Zuwachs pro Jahr erzielt, die Quadriga AG in fünf Jahren 29 Prozent jährlich.

Solche langfristigen Performance-Zahlen lassen aufhorchen. Allerdings: Die Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft. Zu beachten gilt, dass es verschiedenste Konzepte für Hedgefonds gibt , die über konventionelle Anlagen in Aktien oder Anleihen weit hinausgehen. Zwar lassen sich die Manager nicht in die Karten schauen, aber das Rezept der erfolgreichen Fonds liegt in einer starken Diversifikation, ausgefeilter technischer Analyse, einer strengen Risikokontrolle und im automatisierten Trading. "Der Mensch agiert nicht diszipliniert", sagt Quadriga-Gründer Christian Baha. Streng gehütetes Erfolgsgeheimnis sind die Computerprogramme der Fondsmanager, die auf Basis der laufenden Marktdaten selbstständig Analysen durchführen, Entscheidungen treffen und sie automatisch in Order umsetzen. Programm-Schwierigkeiten waren es, die bei Hasenbichler die schwache Performance des Vorjahres verursachten. Mit vier neuen Programmen, die stärker diversifizieren und ergänzen, soll nun an alte Erfolge angeknüpft werden.

Richtige Mischung

Stabilisierend wirkt bei diesen Hedgefonds, dass ein großer Teil des Anlagekapitals sehr konservativ, zum Beispiel in festverzinslichen Werten oder am Geldmarkt, veranlagt wird und nur 20 bis 30 Prozent in Risiko-Investments. Dabei kommt es wieder auf die Mischung an, wobei die einzelnen Anlagen möglichst wenig untereinander korreliert sein sollen. Quadriga veranlagt in Aktienindizes, Währungen, Getreide, Energie, Zinsmärkte, Metalle, Agrarmärkte und Fleisch. Und zwar in Terminkontrakten und je nach Marktbeurteilung long oder short, also auf Kauf oder Verkauf.

Je nach Risiko-Einstufung des Fonds betragen die Positionsgrößen maximal ein bis zwei Prozent des Fondsvermögens. Um den einschränkenden Bestimmungen des Gesetzes zu entgehen, sind die Fonds entweder im Ausland domiziliert oder als AG konstruiert. Dabei ist der Investor über den Genussschein am Fonds beteiligt.

Hohe Mindestinvestitionen

Die Mindestinvestitionen sind meist relativ hoch. Eine längerfristige Kapitalbindung ist schon aufgrund der stärkeren Schwankungen im meist monatlich berechneten Anteilswert unbedingt zu empfehlen. Erfolgsabhängige Managementvergütungen sind üblich. Die Ziele der Fonds sind hoch gesteckt: Quadriga-Chef Baha möchte "30 Jahre lang einen jährlichen Zuwachs von 30 Prozent erzielen". Er ist mit 175 Mio. Euro Fondsvermögen in Österreich klarer Marktführer vor Hedgefonds-Pionier Hasenbichler (100 Mio. Euro). (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Printausgabe 21.1.2002)

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