US-Antiterrorkrieg: Versöhnung mit Saddam

20. Jänner 2002, 20:21
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Von Gudrun Harrer

Der Chef der Arabischen Liga, Amr Moussa, bemühte sich selbst nach Bagdad, und zwar nicht nur, um Saddam Hussein zu überreden, wieder UNO-Waffeninspektoren zu akzeptieren, sondern auch, um den USA ein Signal zukommen zu lassen: Sie probieren es wieder einmal mit der Einheit, die Araber, und einig sind sie in ihrer Ablehnung einer Ausweitung des US-Antiterrorkriegs auf den Irak.

Moussa, dem es soeben gelungen ist, einen Streit zwischen Tripolis und Beirut so halbwegs zu schlichten - damit in der libanesischen Hauptstadt im März ein großer Liga-Gipfel stattfinden kann -, nimmt dabei sogar Kuwait in die Solidaritätspflicht. Erstaunlicherweise macht man dort mit, der Deal soll bedingungslose Anerkennung der Souveränität Kuwaits durch Bagdad (diesmal nicht von der UNO und den USA erzwungen!) gegen Kuwaits Eintreten für die Aufhebung der UN-Sanktionen gegen den Irak lauten. Offen ist aber weiter die Frage der seit 1991 verschwundenen Kuwaitis, die Kuwait als Kriegsgefangene bezeichnet und in irakischen Gefängnissen vermutet, von denen der Irak jedoch behauptet, sie seien vermisst. Die Bemühungen, ihr Schicksal aufzuklären, waren für das Nachkriegs-Kuwait ein identitätsstiftendes Element, es wird nicht leicht fallen, sich davon zu verabschieden.

Tatsächlich ist die Sprache des Irak gegen die alten Feinde am Golf zuletzt viel milder geworden; in Bagdad ist man sich dessen bewusst, dass eine gemeinsame, von den US-Verbündeten Saudi-Arabien, Ägypten und anderen mitgetragene arabische Linie ein starkes Argument gegen einen US-Angriff ist. Angesichts dessen scheint in Washington momentan eher Ratlosigkeit vorzuherrschen: Die USA seien fest entschlossen, das Regime von Saddam zu beseitigen, berichtete der von einem Washington-Besuch heimgekehrte türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit. Aber Kriegspläne gebe es keine. (DER STANDARD, Print vom 21.1.2002)

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