Diskussion um Stammzellen-Import in Deutschland

20. Jänner 2002, 15:46
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Justizministerin Däubler-Gmelin dagegen - Forschungsministerin Bulmahn dafür

Berlin - Eineinhalb Wochen vor der Abstimmung im Bundestag über den Import embryonaler Stammzellen haben die deutschen Kabinettsmitglieder am Wochenende ihre Entscheidung bekannt gegeben. Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) will gegen die Einfuhr solcher Zellen stimmen; Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) bekräftigte dagegen ihre Unterstützung entsprechender Forschungsprojekte. Derweil äußerte der Grünen-Rechtsexperte Volker Beck erneut die Einschätzung, in der Grünen-Fraktion stoße Import und Forschung auf "weitgehend einmütige Ablehnung".

Däubler-Gmelin sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", sie werde einen Antrag unterstützen, der die Verhinderung des Imports zum Ziel habe. Schwerwiegende ethische Bedenken und mangelnde Argumente aus der Wissenschaft hätte sie zu diesem Schritt bewogen. "Gerade die Überlegungen der Verantwortungsethik sprechen gegen den Import", sagte sie. "In diesem Sinne" werde sie abstimmen. Auch für importierte embryonale Stammzellen seien Embryonen getötet worden. Da die Antragslage im Bundestag derzeit verworren sei, wolle sie sich noch nicht auf eine bestimmte Initiative festlegen.

Bulmahn stimmt dafür

Bulmahn kündigte dagegen in der "Leipziger Volkszeitung" an, sie werde für den Antrag ihrer Parteifreundin Margot von Renesse stimmen. Darin wird gefordert, den Import bereits bestehender Zelllinien aus dem Ausland zu erlauben. Die Forschung an diesen Zellen müsse aber strengen Anforderungen genügen, betonte Bulmahn. Beck nannte die embyonale Stammzellenforschung in Berlin "ethisch verwerflich". Sie stehe "verfassungsrechtlich im Konflikt mit der Menschenwürde und dem Lebensschutz" und sei zudem "forschungspolitisch nicht alternativlos".

Dagegen äußerte Thüringens Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski (CDU) die Hoffnung, das der Bundestag für den Import votieren werde. "Ich hoffe auf eine Entscheidung, die den Forschern die Möglichkeit eröffnet, entscheidende neue Erkenntnisse gewinnen zu können", sagte sie der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". Nordrhein-Westfalens CDU-Chef Jürgen Rüttgers sprach sich für den Import bestehender Stammzellenlinien aus, lehnte jedoch zugleich die Einfuhr von Zellen ab, für die "neue Embryonen getötet werden" müssten. Er empfehle insofern eine "teilweise Einschränkung", sagte er im Deutschlandfunk. Bei der Abstimmung im Parlament am 30. Jänner soll der Fraktionszwang aufgehoben werden. (APA)

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