Greenspans Warnung vor Risiken wurde überinterpretiert

20. Jänner 2002, 12:40
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"Washington Post": US-Notenbankchef soll eher unveränderte Leitzinsen signalisieren

Washington - Jüngste Äußerungen von Fed-Chef Alan Greenspan sind an den Finanzmärkten einem Zeitungsbericht zufolge pessimistischer aufgefasst worden als von der US-Notenbank beabsichtigt. Unter Berufung auf Fed-Kreise berichtete die "Washington Post" am Samstag, die Märkte hätten die Rede Greenspans am 11. Jänner vor Firmenmanagern in San Francisco überinterpretiert.

Der Notenbankchef hatte auf anhaltende Konjunkturrisiken hingewiesen, was Analysten als Signal für eine weitere Zinssenkung beim nächsten Fed-Treffen am 29./30. Jänner gedeutet hatten. "Den Kreisen zufolge wollte der Fed-Präsident eher unveränderte Leitzinsen signalisieren", berichtete das Blatt weiter. Greenspans Äußerungen hatten an den Aktienmärkten heftige Kursverluste ausgelöst.

Ende der Rezession erwartet, aber kein Aufschwung

Greenspan habe den Märkten mitteilen wollen, dass er zwar ein rasches Ende der Rezession in den USA, aber noch keinen baldigen und starken Aufschwung der Wirtschaft erwarte, hieß es aus den Fed-Kreisen dem Zeitungsbericht zufolge. Greenspan, dessen Äußerungen zur Konjunktur an den Märkten immer wieder zu starken Kursreaktionen führen, hatte vor gut einer Woche von ersten Anzeichen einer Stabilisierung der Wirtschaft gesprochen. Doch zugleich hatte er betont, es bestünden kurzfristig weiter bedeutende Risiken, da die Unternehmensgewinne noch immer niedrig, die Arbeitslosigkeit hoch und die Aussichten für die Konsumausgaben unsicher seien.

Wie die "Washington Post" weiter berichtete, wollte Greenspan zunächst einen etwas optimistischeren Konjunkturausblick geben. Doch dieser erste Entwurf seiner Rede habe bei ihm Sorgen aufkommen lassen, die Märkte könnten daraus fälschlicherweise Erwartungen einer schnellen und kräftigen Erholung der Wirtschaft ableiten. Die Fed hat im vergangenen Jahr als Reaktion auf den drastischen Wirtschaftsabschwung den Schlüsselzins elf Mal um insgesamt 475 Basispunkte auf 1,75 Prozent zurückgenommen. Greenspan wird am nächsten Donnerstag bei seiner Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Senats die Möglichkeit haben, seine Einschätzung der Konjunkturentwicklung in den USA zu präzisieren. (APA/Reuters)

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