Gipshaxen als Urlaubssouvenir

20. Jänner 2002, 14:44
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Im Tiroler Krankenhaus Zams heuer um 15 Prozent mehr Ski- und Snowboard-Patienten

Innsbruck/Linz/Klagenfurt - Ein Blick in die rot-weiß-roten Wintersportgebiete lässt vermuten, dass ein Gipshaxen derzeit zum unvermeidlichen Urlaubssouvenir gehört. Die Spitäler registrieren in diesem Jahr einen deutlichen Zuwachs bei jenen, die sich per Snowboard oder auf ihren Bretteln direkt in den Krankenstand katapultieren. Lediglich in Salzburg und der Steiermark steuert man gegen diesen Trend.

Im Krankenhaus Zams, das in der Nähe der großen Tiroler Skigebiete Galtür, Ischgl und Ötztal liegt, konnte bisher in der heurigen Wintersaison im Vergleich zu den Vorjahren eine "generelle 15-prozentige Zunahme" der Ski- und Snowboard-Unfälle verzeichnet werden. Dieser Anstieg sei vor allem auf den vermehrten Urlauberansturm, die geringen Schneemengen und den daraus resultierenden harten Pisten zurückzuführen, erklärte Primar Bernd Köll.

Am häufigsten Beinverletzungen

Etwa 80 Prozent der eingelieferten Personen würden sich beim Skifahren verletzen. "Mit der Menge der Unfälle steigt auch die Schwere der Verletzungen", sagte Köll. Zu den häufigsten Verletzungen würden generell Beinverletzungen zählen. In der heurigen Saison seien zudem auch Oberschenkel- und Beckenverletzungen häufiger als in den Jahren zuvor. Die meisten Patienten seien deutsche Urlauber.

Seit dem Saison-Start im Dezember mussten laut Köll bis Mitte Jänner etwa 710 Verunglückte stationär aufgenommen werden, davon rund 320 seit Anfang Jänner 2002. Die ambulante Aufnahme betrage pro Tag durchschnittlich rund 100 Patienten. Die Innsbrucker Universitätsklinik konnte jedoch - trotz mehrfacher Nachfrage - keine konkreten Zahlen nennen.

Reger Betrieb herrscht auch in den Unfallstationen der oberösterreichischen Krankenhäuser, wo Wintersportler den größten Anteil der Kundschaft in den Gipszimmern stellen. Aber auch "Ausrutscher" auf glatten Gehwegen und Straßen kommen häufig vor. Dazu kommen nun bereits die Nachbehandlungen der Unfälle der vergangenen - schneereichen - Wochen.

Arbeitsspitzen an den Unfallstationen sind Wochenenden und - in- und ausländische - Schulferien. Im Krankenhaus Kirchdorf dominieren, wegen der Nähe zu mehreren oberösterreichischen Skigebieten, Ski- und Snowboardstürze. Aber auch andere Wintersportarten wie Eislaufen oder Rodeln fordern immer wieder Opfer, ebenso sind vermehrt Unfälle im landwirtschaftlichen Bereich zu verbuchen. An einem durchschnittlichen Tag sind im Krankenhaus Kirchdorf etwa 20 Sportverletzte - neben Brüchen auch viele Bänderverletzungen - zu beklagen. Dies ist ungefähr ein Drittel mehr als im Sommer.

Etwas ruhiger geht es in den Städten zu. Hier sind die Auswirkungen des Wintersports nicht so drastisch zu spüren. Im Unfallkrankenhaus Linz, werden pro Tag etwa 30 Patienten eingegipst, darunter viele Stürze auf Glatteis. Besonders betroffen sind ältere Personen, die sich bei solchen Ausrutschern oft Oberschenkelhalsbrüche zuziehen.

Auch in Kärnten sind die Ski- und Snowboardunfälle stark im Zunehmen. "Teilweise mit schwersten Verletzungen", hieß es an der Unfallchirurgie des LKH Klagenfurt. Immer häufiger komme es nach Stürzen zu Schädel-Hirn-Trauma und Wirbelverletzungen, deren Anteil an den Gesamtverletzungen als "unproportional hoch" bezeichnet wird. "Natürlich gibt es auch noch den klassischen Beinbruch", sagte Unfallchirurg Hermann Steinkellner. (APA)

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