Indien nicht zu versöhnlicher Geste bereit

20. Jänner 2002, 12:22
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Neu Delhi hegt Misstrauen gegenüber Pakistan - Powell beendet Vermittlungsreise durch die Region

Neu Delhi - Trotz Bemühungen internationaler Vermittler ist Indien noch nicht zu einer versöhnlichen Geste gegenüber dem Nachbarland Pakistan bereit. Der indische Innenminister Lal Advani sagte am Samstag, das Misstrauen gegen den Nachbarn sitze tief. US-Außenminister Colin Powell beendete am Wochenende eine Reise durch die Region und erklärte, die beiden verfeindeten Nachbarn stünden nicht mehr am Rande eines Krieges.

Advani würdigte die Rede des pakistanischen Militärmachthabers Pervez Musharraf als bahnbrechend, "mit einer Rede ist es aber nicht getan". Musharraf hatte am vergangenen Wochenende ein schärferes Vorgehen gegen moslemische Extremisten angekündigt und Terrorgruppen verboten, die als Freiheitsbewegungen geduldet wurden. Advani sagte, nun müsse man abwarten, ob Pakistan den Ankündigungen Taten folgen lasse. Davon hänge das weitere Vorgehen Indiens ab. Er warf der pakistanischen Regierung, rund 20 gesuchten Extremisten Schutz zu gewähren.

Beweise vorgelegt

Powell erklärte, Indien habe Pakistan weitere Beweise gegen die 20 Männer vorgelegt, denen terroristische Anschläge in Indien vorgeworfen werden. Der pakistanische Außenminister Abdul Sattar sagte am Samstag, diese Informationen würden zurzeit geprüft. Er kündigte an, Pakistan werde Indien ebenfalls eine Liste mit Namen von gesuchten Personen vorlegen. Powell würdigte den verstärkten Einsatz gegen Extremisten in Pakistan und verwies auf mehr als 1.900 Festnahmen in den vergangenen Tagen.

Der pakistanische Innenminister Moinuddin Haider bat Indien um Gespräche zur Reduzierung der Spannungen an der Grenze in Kaschmir. "Die indische Regierung sollte ihre herrische Haltung ablegen und sich an einem Dialog mit Mitteln wie den Sport beteiligen", erklärte Haider. Indien weigert sich wegen der Spannungen, gegen das pakistanische Team Cricket zu spielen. Die Regierung in Neu Delhi macht Pakistan für den Überfall auf das indische Parlament verantwortlich, bei dem Mitte Dezember 14 Menschen getötet wurden.

Interesse an diplomatischer Lösung

Powell hatte in den vergangenen Tagen zwischen den beiden verfeindeten Atommächten vermittelt. Beide Seiten erklärten daraufhin, sie seien an einer diplomatischen Lösung des Kaschmir-Konflikts interessiert und wollten einen Krieg vermeiden. In der umstrittenen Kaschmir-Region lieferten sich am Sonntag Soldaten beider Seiten erneut Feuergefechte. Dabei wurde nach Angaben der pakistanischen Polizei niemand verletzt.

Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit 1947 drei Kriege gegeneinander geführt. Derzeit sind entlang der Grenze hunderttausende Soldaten in höchster Alarmbereitschaft. (APA/AP)

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