Salang-Tunnel in Afghanistan wiedereröffnet

20. Jänner 2002, 10:52
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Eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen des Landes

Kabul - In Afghanistan ist am Samstag mit dem Salang-Tunnel im Hindukusch eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen des Landes wieder eröffnet worden. 20 Lastwagen mit Lebensmitteln und Medizin aus Russland durchquerten als erste die schwach beleuchtete Röhre des höchstgelegenen Tunnels der Welt, die mit internationaler Hilfe vom Kriegsschutt befreit worden war.

US-Außenminister Colin Powell traf unterdessen in Japan zu einer internationalen Geberkonferenz ein, die von Montag an über Hilfen für den Wiederaufbau Afghanistans beraten soll. In Kuba kündigte das Internationale Rote Kreuz an, alle 110 von den USA gefangen gehaltenen Kämpfer aus Afghanistan zu ihren Haftbedingungen befragen zu wollen.

Von der Sowjetunion gebaut

"Wir sind den vier Organisationen sehr dankbar dafür, dass sie uns geholfen haben, den Tunnel frei zu räumen", sagte der afghanische Bauminister Abdul Khalik Fasal bei der Eröffnung des Tunnels auf 3363 Meter Höhe. Afghanen und Russen hatten mit Franzosen und Briten zusammengearbeitet, um die Tunnelzufahrten wieder herzustellen, den Schutt wegzuräumen und Minen zu entfernen. Der Tunnel war von der damaligen Sowjetunion gebaut worden und diente ihr in den achtziger Jahren als wichtige Nachschubroute für ihre Besatzungstruppen. Anti-Taliban-Kräfte zerstörten den Tunnel 1997 und unterbrachen damit die direkte Verbindung des Nordens zur Hauptstadt Kabul.

Für den weiteren Wiederaufbau des Landes nannten die Vereinten Nationen (UNO) als wichtigste Voraussetzung eine Lösung der Sicherheitsfrage. "Das hat für beide Seiten (die afghanische Regierung und die internationale Gemeinschaft) oberste Priorität", sagte Malloch Brown, Chef des von der UNO für Afghanistan aufgelegten Entwicklungsprogramms. Ohne Sicherheit werde es kein sinnvolles Programm geben. 15 Prozent der im Vorfeld der Geberkonferenz genannten Summe von 1,7 Milliarden Dollar (rund 1,9 Milliarden Euro) sollen zunächst in die öffentliche Sicherheit Afghanistans sowie den Aufbau einer eigenen Armee und Polizei investiert werden.

Der Iran sagte laut einer Agenturmeldung am Samstag zu, 75 Fabriken in Joint Ventures in Afghanistan aufzubauen. Die Fabriken sollten Mehl, Waschmittel, Baumwolle, Bau- und Verpackungsmaterial, Chemikalien und Teppiche produzieren, meldete die offizielle iranische Agentur IRNA.

Nach der Kritik an den Haftbedingungen in dem US-Lager auf Kuba, sagte ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) am Freitag in Washington, die Beobachter der Organisation würden alle Gefangenen einzeln befragen. Deswegen werde die IKRK-Untersuchung voraussichtlich bis nächste Woche dauern. Menschenrechtsgruppen haben die Behandlung der Gefangenen kritisiert, die in überdachten Drahtkäfigen im Freien eingesperrt sind. Nach US-Angaben sind die Käfige eine Übergangslösung bis zum Bau eines regulären Gefängnisses. (APA/Reuters)

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