RAU

20. Jänner 2002, 15:49
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Feldforschung

Die Politologie kennt heute nicht mehr Stamm-, Wechsel- und sonstige Wähler, sondern hat eine Reihe von Gruppen nach deren Lebensstil und -einstellung herausdifferenziert. So etwa die "hedonistischen Egoisten" oder die "wertkonservativen Fortschrittsfeinde" oder so ähnlich. Ebenso hat die Konsumentenforschung Phänotypen wie die "bourgeoisen Bohemiens" zutage gebracht.

Sehr schön. Aber wichtig wären noch weitere, genauere Ausdifferenzierungen: Was etwa motiviert die "Am-Fußboden-der-Büro-Klosetts-die- Zeitungen-Liegenlasser"? Was ist mit den "Im-Aufzug-das-eigene-Stockwerk-Drücker- und-sich-dann- blockademäßig-vor-die-Tastatur-Stellern"? Oder wie ist das speziell in Ostösterreich anzutreffende Phänomen der "Den-ganzen-Tag-über-,Mahlzeit'-Grüßer" zu bewerten? Sollte sich die Feldforschung nicht intensiver um die "Ewig-die-Speisekarte-Studierer-und-dann-, Was-nimmst-denn-du'-FragerInnen" kümmern? Ein tolles Gebiet wären auch die "Ich-hör'-des-gar-net-mehr-SagerInnen" unter dem Personal von Restaurants, Boutiquen und sonstigen öffentlichen Orten mit unerträglicher Musik. Wissenschaftliche Fragestellung: Was denken sich all diese Leute dabei?
(DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2002)

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