Australien: Flüchtlingskinder mit zugenähten Lippen

20. Jänner 2002, 13:29
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"Protest gegen Menschen- rechtsverletzungen in Lagern"

Sydney - Im nordaustralischen Flüchtlingslager Woomera dauert der Protest von mehr als 200 Afghanen gegen die schleppende Bearbeitung ihrer Asylanträge an. Nach Angaben eines Sprechers von Innenminister Phillip Ruddock haben sich 66 Asylsuchende die Lippen zugenäht, während sich weitere 140 Flüchtlinge im Hungerstreik befinden. Drei Jugendliche im Alter zwischen 12 und 15 Jahren wurden am Sonntag wegen Austrocknung in ein Krankenhaus gebracht. Dort wurden ihnen die zugenähten Lippen aufgetrennt. Anschließend aßen und tranken sie wieder.

Besonders die Afghanen unter den insgesamt 900 Flüchtlingen in Woomera sind verzweifelt. Nach dem Sturz der Taliban-Herrschaft in ihrem Land hatte Ruddock die Bearbeitung ihrer Asylgesuche ausgesetzt. Nach den Worten des Ministers haben sie so gut wie keine Aussicht mehr auf einen Aufenthaltsstatus in Australien. Die Selbstverstümmelung der Flüchtlinge werde daran nichts ändern.

In einer Stellungnahme teilten die Flüchtlinge mit, ihr Protest richte sich nicht gegen die Verweigerung von Visa, sondern gegen Menschenrechtsverletzungen in den Lagern. Sie riefen die internationale Gemeinschaft dazu auf, gegen die "barbarische Einwanderungspolitik Australiens, die Männer, Frauen und Kinder für Monate und manchmal Jahre hinter Stacheldraht sperrt", zu intervenieren. Im Dezember waren bei einer Rebellion der Lagerinsassen 21 Wachleute verletzt worden. (APA/dpa)

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