Das Publikum soll das Faszinosum Genetik wiederfinden

26. Jänner 2002, 09:40
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Einzigartige Ausstellung widmet sich Gregor Mendel

Brünn/Wien - Zu Lebzeiten war er unbekannt. Dabei hat er mit seinen Beobachtungen im Klostergarten die Genetik und alle ihre "Folgedisziplinen" begründet: Gregor Mendel (1822 bis 1884). Die Abtei St. Thomas in Brünn wird von Mai 2002 bis Mai 2003 Schauplatz einer einzigartigen Ausstellung, die sich dem Leben und Werk des Vaters der klassischen Genetik widmet. Im Garten Augustiner-Klosters stieß Abt Mendel beim Kreuzen von Erbsen auf die Gesetzmäßigkeiten der Vererbung gestoßen.

"Eine Hommage an das Genie der Gentechnik, Gregor Mendel, durch Wissenschaft und Kunst" ist dementsprechend der erste Schwerpunkt eines engagierten Großprojektes in Brünn. Die Ausstellung wurde von dem Abt in St. Thomas, Dr. Ing. Lukas Evzen Martinec, initiiert. International renommierte Kuratoren wurden eingeladen, die Idee zu realisieren. Mit Martin Kemp, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Oxford in Großbritannien, und Marina Wallace, Lektorin am englischen Central St. Martin's College für Kunst und Design, fand man zwei britische Spezialisten, die mit ihrem Unternehmen "Artakt" Projekte an der Schnittlinie Kunst und Wissenschaft zu verwirklichen suchen, hieß es am Freitag in einer Aussendung. Dieses Jahr zeichneten sie zum Beispiel für die viel besprochene Ausstellung "Spectacular Bodies" in der Hayward Gallery (London) verantwortlich.

Kemp und Wallace erarbeiteten im vergangenen Jahr ein Konzept, das auch für Brünn eine Gegenüberstellung von historischen Originalen und Werken zeitgenössischer Kunst vorsieht. Mendels herausragende Forschungsarbeiten wurden Zeit seines Lebens kaum gewürdigt. Seine Beobachtungen wurden zwar 1866 zum ersten Mal publiziert, aber erst 1900 wurden seine Entdeckungen auch über die wissenschaftlichen Labors hinaus bekannt.

Der Zeitpunkt ...

"Es scheint keinen geeigneteren Zeitpunkt zu geben, um die Arbeit und die Vision Mendels zu würdigen, wo doch heute die Genforschung zum integrierten Bestandteil unseres Lebens und unserer Zukunft geworden ist", meint Kemp.

Ein aktuelles Beispiel dafür: Im vergangenen Dezember erhielten zwei Wissenschafter vom britischen Imperial Cancer Research Fund, Sir Paul Nurse, einem Trustee des Brünner Projektes, und Tim Hunt für ihre - natürlich auf Gentechnik beruhenden - revolutionären Errungenschaften den Nobelpreis verliehen.

Um das Leben von Gregor Mendel und die Ursprünge der Genetik adäquat nachzeichnen zu können, kooperierten die Ausstellungsmacher auch mit dem Mendelianum, einem Teil des Mährischen Landesmuseums in Brünn. "Hier existiert eine atemberaubende Kollektion an Gegenständen und Dokumenten aus dem Besitz von Gregor Mendel", schwärmt Marina Wallace über den Reichtum und die Vielfalt der Brünner Sammlung. "Bei der Ausstellung werden wir Teile der Sammlung zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorführen."

Höhepunkte

Einen weiteren Höhepunkt bildet der Garten des beinahe 700 Jahre alten Klosters, der eigens für die Ausstellung mit Unterstützung des Cambridge Botanic Garden und John Innes Center in Norwich (Großbritannien) restauriert wird. Der Mix von historischem Material, interaktiven High-Tech-Elementen und aktuellen Kunstwerken soll ein breites Publikum - jung und alt - ebenso ansprechen wie Fachleute und Kunstbegeisterte. Wallace: "Mit der Ausstellung möchten wir erreichen, dass das Publikum das Faszinosum Genetik wiederfindet - so wie sie vor 150 Jahren entwickelt wurde."

"Für die Abtei in Brünn existieren darüber hinaus langfristige Pläne", erklärte Kim Nasmyth, Leiter des Forschungsinstitutes für Molekulare Pathologie (IMP, Wien), der gemeinsam mit dem Wiener Vereinigung zur Förderung der Genomforschung das gesamte Projekt koordiniert. "Wir planen nach der Ausstellung im Kloster ein permanentes Museum für Genetic und ein Konferenzzentrum einzurichten", so Prof. Nasmyth weiter. "Damit würden wir ein neues Forum für Schulkinder und die breite Öffentlichkeit schaffen, die ebenso wie Wissenschafter und Forscher angeregt werden, ethische Fragen der Genetik neu diskutieren zu können", fügte Univ.-Prof. Dr. Dieter Schweizer vom Institut für Botanik an der Universität Wien hinzu.

Das Team genießt bei der Umsetzung des Projektes die volle Unterstützung des Präsidenten der Tschechischen Republik, Vaclav Havel, und des Abtes von St. Thomas, Lukas Evzen Martinec. Zur Verwirklichung des ambitionierten internationalen Projektes müssen 1,622.000 Euro durch Sponsoring aufgebracht werden. (APA)

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