Für die offizielle Anerkennung von Pflanzen als Arzneimittel

19. Jänner 2002, 19:54
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Afrika: Auch Missbrauch mit traditioneller Medizin

Nairobi - Forscher aus sechs afrikanischen Staaten haben sich bei einem wissenschaftlichen Symposium in der westkenianischen Stadt Eldoret für die offizielle Anerkennung von Pflanzen als Arzneimittel in ihren Ländern ausgesprochen. Nach Angaben der Wissenschafter basieren 40 Prozent aller Medikamente weltweit auf pflanzlichen Wirkstoffen.

"Einst war der Austausch von Waren und Menschen die große Herausforderung für die Welt. Das kam der Informationsfluss und in zehn bis 20 Jahren wird es das Wissen über Moleküle und das genetische Material von Pflanzen sein", erklärte Prof. Raphael Munavu, Vize-Kanzler der Moi-Universität in Nairobi, nach Angaben der Tageszeitung "Daily Nation" bei dem Symposium.

Für die Gesundheitssysteme vieler afrikanischer Staaten würden sich ungeahnte Möglichkeiten auftun: Ausgaben für "westliche" Medikamente - zum Teil ohnehin nicht finanzierbar - könnten gekürzt werden, das umfassende Wissen traditioneller Heiler über die Wirkungen von Pflanzen bei der Behandlung von Krankheiten genützt und sogar exportiert werden. Genau hier liegt aber die Crux: Mit der traditionellen Medizin wurde und wird exzessiv Missbrauch betrieben.

Beispiel für Missbrauch

"In Kenia zum Beispiel ist immer wieder von selbst ernannten Medizinmännern zu lesen, die behaupten, über ein neues Medikament zu verfügen, das Aids heilt. Und viele Menschen, die keinen Zugang zu Informationen haben, fallen auf solche Quacksalber hinein und geben ihnen ihr letztes Geld. Das ist einer der Gründe, warum offizielle Stellen solche Vorbehalte gegen die Zulassung der von Pflanzen als Heilmittel haben", erläuterte der Salzburger Arzt Dr. Walter Schmidjell, Mitarbeiter der in Nairobi beheimateten African Medical and Research Foundation, im Gespräch.

Für Menschen in Ostafrika seien die traditionellen Heiler im Falle von Erkrankungen noch immer Anlaufstelle Nummer eins, sagte Schmidjell. Das habe seine Gründe etwa in Kenia unter anderem darin, dass Kranke in Spitälern schon vor der Behandlung bezahlen müssten, und in dem Umstand, dass der "Healer" im Gegensatz zum Schulmediziner zugleich die Funktion des Psychologen und des Sozialberaters erfülle.

Bei dem Symposium in Eldoret wurde auch beklagt, dass in Industriestaaten sehr wohl der Nutzen von einigen Pflanzen erkannt worden sei: "Sie haben diese Pflanzen aus Afrika mitgenommen, in ihren Labors gehortet und der Dritten Welt dann den Zugang verweigert." (APA)

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