Der "Oscar" lässt Drehbuchautoren sterben

19. Jänner 2002, 19:55
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Schauspieler leben dagegen länger

Frankfurt/Main - Die Verleihung des weltweit bedeutendsten Filmpreises "Oscar" lässt Drehbuchautoren früher sterben. Diesem seltsamen Zusammenhang sind kanadische Wissenschafter auf die Spur gekommen. Demnach haben Autoren, die den "Oscar" gewinnen, eine um durchschnittlich 3,6 Jahre kürzere Lebenserwartung als ihre Kollegen, die zwar nominiert wurden, aber bei der Preisverleihung leer ausgingen. Für Schauspieler dagegen wirkt sich nach einer früheren Untersuchung der "Oscar"-Gewinn lebensverlängernd aus.

Die Forscher hatten mit der im "British Medical Journal" zuerst veröffentlichten Studie, über die nun auch die "Ärztliche Praxis" berichtete, eine echte Fleißarbeit hingelegt: Sie durchforsteten alle Oscar-Verleihungen seit 1929 und überprüften sämtliche Lebensläufe der 850 jemals nominierten Drehbuchautoren, von denen inzwischen 428 bereits verstorben sind. Und auch wenn die Wissenschafter andere Faktoren wie Alter und Geschlecht berücksichtigten, ergab die Auswertung eine um 35 Prozent höhere Todesrate bei "Oscar"-Gewinnern gegenüber den anderen Nominierten.

Grundthese der Medizin in Frage gestellt

Die Untersuchung stellt eine Grundthese der Medizin in Frage, nämlich dass sich soziale Anerkennung und Erfolg lebensverlängernd auswirken. Die Experten weisen den Berichten zufolge aber darauf hin, dass schreibende "Oscar"-Gewinner weniger stark im Rampenlicht stehen als die Schauspieler. Zugleich machten Oscar-gekrönte Autoren mehr Filme, erhielten häufiger weitere Nominierungen und blieben längere Zeit im Geschäft als die Verlierer.

Daher vermuten die Wissenschafter die Ursache für den im Durchschnitt früheren Tod in der höheren Arbeitsintensität: Autoren, die im Laufe ihrer Karriere weniger als ein Film-Skript pro Jahr schrieben, lebten durchschnittlich 4,5 Jahre länger als die fleißigeren Kollegen - egal, ob "Oscar"-Gewinner oder nicht. Gleichwohl muss die wichtigste Filmauszeichnung für Drehbuchschreiber nicht gleich das Todesurteil bedeuten: Schließlich hat Billy Wilder die begehrte Trophäe schon drei Mal gewonnen - und erfreut sich mit jetzt 95 Jahren eines ausgesprochen langen Lebens. (APA/AP)

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