Antibiotika für Mukoviszidose- Patienten

19. Jänner 2002, 19:56
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Studie: Lebenserwartung wird dadurch erheblich gesteigert

Essen - Die gefürchtete chronische Lungeninfektion bei Mukoviszidose-Patienten kann mit einer frühzeitigen Antibiotika-Behandlung ausgeheilt werden. Dadurch kann die Lebenserwartung von Menschen, die an der angeborenen und bisher unheilbaren Stoffwechselkrankheit litten, erheblich gesteigert werden, wie eine im Fachblatt "The Lancet" veröffentlichte Studie der Essener Universitäts-Kinderklinik und dem Institut für Allgemeine und Umwelthygiene der Universität Tübingen ergab.

Nach dem bisherigen medizinischen Standard lösen die sonst eher harmlosen so genannten Pseudomonas-Bakterien bei Patienten mit Mukoviszidose eine chronische Lungenentzündung aus, eine der schwersten, kaum behebbaren Komplikationen. Die Wissenschaftler ließen nun 15 Kinder und Jugendliche im Alter von einem bis 18 Jahren nach dem ersten Befall mit Pseudomonas-Bakterien ein Jahr lang ein Antibiotikum inhalieren, das die chronische Infektion der Atemwege verhindern sollte. Im Abstand von drei Monaten kontrollierten die Ärzte die Schleimproduktion vornehmlich in der Lunge.

Keime entfernt

Während die Forscher bereits in einer vorangegangenen Studie eine Reduzierung der Pseudomonas-Bakterien durch Antibiotika nachweisen konnten, zeigte sich nun, dass die Keime nicht nur unterdrückt, sondern permanent aus der Lunge entfernt wurden. Dadurch blieb eine chronische Entwicklung der Infektion aus, wie der Leiter der Studie, Felix Ratjen, berichtete.

Die Behandlung mit dem Antibiotikum müsse allerdings frühzeitig und konsequent vorgenommen werden. Von einem Durchbruch in der Mukoviszidose-Therapie wollte der Wissenschaftler allerdings nicht sprechen. Pseudomonas-Bakterien seien nicht die einzigen Keime, die bei dieser Stoffwechselkrankheit das Bronchialsystem infizierten.

Mukoviszidose oder zystische Fibrose ist die häufigste vererbte Stoffwechselstörung in Deutschland. In der Bundesrepublik leiden derzeit rund 8.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an der unheilbaren Erbkrankheit. Fünf Prozent der Bevölkerung, also rund vier Millionen Menschen, sind Merkmalsträger, ohne es zu wissen. Jedes Jahr werden etwa 300 Kinder mit Mukoviszidose geboren. Im Durchschnitt erreichen nur drei von ihnen das Erwachsenenalter. (APA/AP)

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