"Auf Biegen und Brechen"

21. Jänner 2002, 18:34
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Das rasante Leben im Informationszeitalter zwingt zu erhöhtem Tempo. Die Folge: Der Stresspegel schwillt an. Ein persönliches "Belastbarkeits-Management" hilft, ihn zu verarbeiten.

Je schneller die Geschwindigkeit, desto größer das Gejohle und die allgemeine Begeisterung: Zumindest wenn es sich um Kinder auf Rodelwiesen oder im Rummelpark handelt. Obwohl fast alle Menschen mit Geschwindigkeit spontan Freiheits- und andere Positivgefühle assoziieren, stöhnt die Mehrheit der im Erwerbsleben stehenden Zeitgenossen unter dem Stress, den der permanente und sich immer rascher vollziehende Wandel auslöst.

Erschwerend kommt hinzu, dass dank der neuen Kommunikationsmittel und Technik der Stress vor den privaten Haustüren und Refugien der Ruhe nicht mehr Halt macht. War früher der Arbeitsstress auf das Büro und wenige andere Orte begrenzt, so erreicht er uns heute dank Mobiltelefon und Laptop allerorten.

Für den deutschen Trainer und Berater Siegfried Haider ist der richtige und bewusste Umgang mit Stress der Erfolgsfaktor für Anpasssung und Leistungsentwicklung. Der ursprünglich aus der Physik stammende und mit der Verbiegung von Metallen zusammenhängende Begriff "Stress", sagt aus, wie weit man einen Metallstab bis zu seinem Brechen belasten kann. Daraus leitet sich ab, dass starke Reize zur Anpassung, schwache Reize zur Verkümmerung und überstarke Reize zur Zerstörung führen. Nach einer Definition von Hans Selye kann man zwischen linearem und oszillierendem Stress unterscheiden. Nur lang andauernde und lineare Belastungen zermürben den Organismus. Für den oszillierenden Stress hingegen gilt, dass wir nur so viel Stress verarbeiten können, wie wir durch Training zu verarbeiten gelernt haben.

Die Stressverarbeitungskompetenz steigt und sinkt dabei mit der Intensität des täglichen Trainings. Siegfried Haider rät daher, bewusst die Kombination aus größerer Belastung und Herausforderung mit anschließender klarer Entspannungs- und Vertiefungsphase zu suchen.

Aus diesem Konzept ergeben sich zwei Punkte, die man in herkömmlichen Seminaren nur selten zu hören bekommt:
Die Notwendigkeit, einen Katalog von positiven Stresssorten zu entwickeln, die zum Training angewandt werden. Damit wird automatisch auch eine positive Grundeinstellung entwickelt. In ruhigeren Zeiten wie Feiertagen oder Urlauben sollte anhand dieses Stresskataloges beispielsweise durch Sport eine ordentliche Dosis Stress geschaffen werden.

Der zweite Punkt erfolgreichen Stressmanagements ist, die richtige Entspannung als optimalen Ausgleich zur vorangegangenen Belastungssituation zu finden. Nach statischer Belastung, wie etwa einer zehnstündigen Sitzung hinter dem PC, ist eine Stunde Aerobic oder Joggen als körperlicher Ausgleich angesagt, während nach einer ganztägigen Bergtour das Sofa den idealen Ort der Entspannung darstellt.

Für den Erfolg letztlich entscheidend ist die dauerhafte und langfristige Anwendung dieser Methodik, im Sinne eines "lebenslangen Belastbarkeits-Managements". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20. Jänner 02, Fridolin Angerer)

Siegfried Haider ist deutscher Persönlichkeitstrainer und Referent in Johanna Zugmanns Karriere Lounge am 25. Jänner.

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