Kein neuer Strauß, aber mit dessen Ideologie

18. Jänner 2002, 18:07
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Peter Köpf, ein deutscher Journalist, beleuchtet das Privatleben und die politische Karriere des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber.

Der Biograf fängt gleich mit der wichtigsten Frage an: Ist Edmund Stoiber ein echter Bayer? Denn im Juni 1995 drohten im Freistaat Albträume Wirklichkeit zu werden, als eine Boulevardzeitung auf der Titelseite fragte: "Wird Bayern von einem Rheinländer regiert?" Der Journalist Peter Köpf wühlt in der Familiengeschichte und zeichnet detailliert nach, dass Stoiber trotz der aus dem Rheinland stammenden Mutter ein waschechter Bayer ist, worauf der Ministerpräsident so stolz ist.

Köpf weist aber auch nach, dass Stoiber es bei anderen biografischen Angaben wie seinem Studienerfolg nicht so genau genommen hat. Der Autor bleibt stets auf kritischer Distanz zum Beschriebenen, zeigt Stärken und auch Schwächen des ehrgeizigen CSU-Politikers auf. Gleichzeitig billigt er ihm "außerordentlichen Fleiß" zu, Stoibers beachtliches Arbeitspensum nötig ihm Respekt ab.

Der Autor analysiert auch die Frage, ob Stoiber "der neue Strauß" sei. Sein gut begründetes Fazit: "Der Schüler hat die ideologischen Vorstellungen seines Lehrers übernommen und sich zugleich emanzipiert." Am besten bringt die charakterlichen Unterschiede Strauß' Tochter Monika Hohlmeier auf den Punkt: "Der Papa hat sich im Urlaub zwei Wochen mit Jerry-Cotton-Heften an den Strand gelegt und von Politik nix hören wollen. Da würd's den Edmund ja zerreißen."

Das Zeug zum Kanzler hätte Stoiber nach Einschätzung Köpfs, der bereits ein Buch über den deutschen Regierungschef Gerhard Schröder geschrieben hat. Wären da nicht die Vorbehalte der Norddeutschen gegen einen Bayern: "Hätte er sich nicht so gewehrt gegen den Verdacht, ein halber Rheinländer zu sein", meint der Autor. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, Alexandra Föderl-Schmid)

Peter Köpf
Stoiber. Die Biografie
Europa Verlag
Hamburg/Wien 2001
272 Seiten
19,33 €
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